BHT 2018 – Kolloquium „Abwärmenutzung in der Gießerei-Industrie – Herausforderungen und Potentia-le“

Einer Schätzung zufolge gehen momentan weltweit mehr als zwei Drittel der eingesetzten und überwiegend fossil bereitgestellten Primärenergie als Abwärme verloren. Noch fehlen ausreichende Anreize für eine konsequente Abwärmevermeidung und –nutzung. Dennoch gibt es gerade in der Industrie gute Beispiele, von denen die Vortragenden des Kolloquiums berichten. Die Vortragsreihe wird durch zwei Nachwuchsforscherinnen der interdisziplinär aufgestellten ESF Nachwuchsforschergruppe zur „ganzheitlichen Implementierung ressourceneffizienter Formgebungsverfahren“ ausgerichtet. Schwerpunktmäßig geht es um das Thema der Abwärmenutzung in Gießereien sowie damit zusammenhängende Technologien.

BHT – FREIBERGER UNIVERSITÄTSFORUM

Den aktuellen Flyer zum
69. BHT – FREIBERGER UNIVERSITÄTSFORUM 2018
mit Kurzinformationen zu allen Kolloquien finden Sie hier.

26. Ledebur-Kolloquium an der TU Bergakademie Freiberg am 27. und 28. Oktober 2016

Das 26. Ledebur-Kolloquium, welches mehr als 300 Teilnehmer nach Freiberg lockte, begann mit einem ganz besonderen Ereignis – der feierlichen Wiedereinweihung der Gießereihallen nach der umfangreichen Sanierung! Das sanierte und mit neuen Anlagen ausgestattete Technikum bietet nun den Mitarbeitern und Studenten beste Arbeitsbedingungen und entspricht den Anforderungen an moderne und praxisorientierte Lehre und Forschung in vollem Maße.

Mit dem Aufbau einer HWS Formmaschine sowie einer ND-Anlage und einer Kippgießanlage für Aluminium der Firma Kurtz, einer kleinen Vakuum-Formmaschine und einer Schleudergussanlage kann die Lehre zukünftiger noch praxisorientierter angeboten werden, außerdem erschließen sich damit weitere Möglichkeiten für Forschungsprojekte.

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Eröffnung der Gießereihalle

 

Die feierliche Verabschiedung der Gießerabsolventen und Doktoranden des vergangenen Jahres im Rahmen des Ledebur-Kolloquiums wird zu einer schönen Tradition. Von den 19 Absolventen des Bachelor- bzw. Diplomstudiengangs waren ein Großteil anwesend und wurden vom Institutsdirektor Professor Wolf in das Berufsleben verabschiedet.

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Absolventenverabschiedung

 

Auch in diesem Jahr wurden zwei Personen zum Ehrengießer ernannt, die sich um das Gießerei-Institut verdient gemacht haben. Neben Herrn Klaus Wilbert, Geschäftsführer der Firma HWS, wurde Herr Dirk Lindemann, Leiter der Business Unit Eisenguss Europa und Mitglied der Direktion GF Automotive, geehrt.

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Ehrengießer 2016

 

 

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 Fachtagung

 

Kurzfassungen der Vorträge

Breit gefächert war das Vortragsprogramm. Dabei wurde über interessante Aspekte sowie aktuelle Projekte der Gießereibranche berichtet und die Pausen zu angeregten Diskussionen genutzt. Im Folgenden werden die Fachvorträge in Kurzform veröffentlicht:


Die Steigerung des Sphärogusses bei MEUSELWITZ GUSS im Wettstreit mit dem Wachstum und den konstruktiven Entwicklungen bei Windenergieanlagen

Werner, H. – DIHAG Group AG, Zürich


ACE – Innovative Formmaschine mit Aeration Sandeinfüllung

Wilbert, K.*; Exner, M. – Heinrich Wagner Sinto Maschinenfabrik GmbH, Bad Laasphe


Herausforderungen abseits von Eisen und Aluminium – anspruchsvolle Gussteile aus Aluminiumbronze

Nürnberg, M. – Mecklenburger Metallguss GmbH, Waren


Einfluss von Strontium auf die Veredelungswirkung bei der Legierung AlSi8Cu3

Fegyverneki, G. – Universität Miskolc, Ungarn


Lebenszyklusanalyse hinsichtlich der Energie- und CO2-Bilanz von Zylinderkurbelgehäusen aus Aluminium und Gusseisen

Sobota A. – Eisenwerk Brühl GmbH


3D-Druck von Metallen als Substitution und Wettbewerb von Gussteilen?

Müller, B. – Fraunhofer IWU, Dresden


Erfolgreicher Einsatz einer Roboter-, Schleif- und Putzzelle für kleine Losgrößen Bisher wurden automatisierte Schleifzellen überwiegend in Seriengießereien eingesetzt.

Rohland, B. – Rohland Consulting, Bonn


Einfluss der Schlichte auf das Fließverhalten von Aluminiumlegierungen

Gierth, S. – Volkswagen AG


Stand der Entwicklung emissionsreduzierter Systeme

Böhnke, S.*; Podobed, O.; Grefhorst, C. – IMERYS Metalcasting Germany GmbH, Marl


Gießerei-Institut Moderne Werkstoffentwicklung mithilfe von Simulationstools

Scheidhauer, N. – TU Bergakademie Freiberg


Energieeffizienzsteigerung gasbeheizter Aluminiumschmelzöfen durch innovative Brennertechnologie

Dietrich, B. G. – TU Bergakademie Freiberg

 

Exkursion Freiberger Gießerei-Studenten

Uni Freiberg Besuchsbericht vom 22.06.2016

 

Während des Sommersemesters 2015 reifte in den Köpfen einiger Freiberger Gießerei-Studenten die Idee einer Exkursion zu einem Großguss-Unternehmen heran. Zum jährlich stattfindenden Ledebur-Kolloquium (eine Gießer-Veranstaltung des Gießerei-Instituts in Freiberg) ergab sich dann für uns die Möglichkeit, diese Idee in die Tat umzusetzen. Herr Prof. Wolf übergab uns die Kontaktdaten von Herrn Gädke (Leiter Qualitätslenkung und -sicherung Werk Hain der Gontermann-Peipers GmbH) und wir stellten eine Anfrage an das Unternehmen im Siegerland. Nach einer schnellen und positiven Antwort stand sowohl der zeitliche als auch thematische Rahmen der Exkursion fest: Abguss einer 236t-Schwerstwalze am Vormittag des 22.06.2016.

Die Gontermann-Peipers GmbH mit ihren Werken in den Siegener Stadtteilen Marienborn und Hain produziert Arbeits-, Stütz- und Profilwalzen (Werk Marienborn) für Stahl- und Aluminium-Walzwerke sowie andere Gussstücke (Werk Hain) für Kunden aus aller Welt. Ein eigens entwickeltes zweistufiges statisches Verbundgießverfahren (GP-Verbundgießverfahren) ermöglicht es dabei, zwei unterschiedliche Werkstoffe für den Walzenmantel und den Walzenkern zu kombinieren. Nach der vollständigen Erstarrung des Gussstückes erfolgt die Wärmebehandlung sowie die mechanische Bearbeitung. So werden die Walzen auf Kundenmaß gedreht, verpackt und schließlich versendet. Der gesamte Fertigungsprozess wird durch die Qualitätssicherung begleitet und soll so sicherstellen, dass das fertige Gussstück den Kundenanforderungen entspricht.

Am Vormittag des Mittwochs trafen wir uns vor dem Werk in Marienborn. Herr Bläser, Laboringenieur im Prüflabor Werk Marienborn, und Herr Kebschull, Werksstudent im Werk Hain, hießen uns herzlichst willkommen. Nach einer kurzen Anmeldung beim Pförtner und einem Gang zum Präsentationsraum der Qualitätssicherung wurde das im Jahre 1825 gegründete Unternehmen bei einem kleinen Snack vorgestellt. In der Mittagszeit erfolgte dann der eigentliche Großabguss. In der etwa zwölf Meter tiefen Grube inmitten der Gießhalle stand eine Kokille, die das Negativ des Gussstücks darstellt. An dieser Kokille befand sich das Anschnitt- und Speisersystem mit insgesamt drei Gießtrichtern. Der erste Abguss bildet den Walzmantel: Der an der Randzone der Kokille erstarrte Walzenmantelwerkstoff verbleibt in der Kokille, während durch den zweiten Abguss mit Kernmaterial der noch flüssige Rest des Walzenmantels ausgespült wird. Durch diesen Zwei-Stufen-Gießprozess von Gontermann-Peipers können die von Kunden gestellten Anforderungen an die Walze (Härte, Verschleißfestigkeit sowie Zähigkeit) optimal bedient werden. Durch die hohe Masse des Gussstücks (236 Tonnen) mussten rund 300 Tonnen Schmelze allein für den Walzenmantel bereitgestellt werden. So wurden für Walzenmantel und Walzenkern insgesamt über 550 Tonnen an Material eingeschmolzen. Die Differenz zwischen Endgewicht der fertigen Walze und dem bereitgestellten Schmelzgut ergibt sich durch das Durchdrücken des restlichen Walzenmantelmaterials beim zweiten Abguss, durch die nötige Dichtspeisung während des Erstarrungs- und Abkühlvorgangs der Schmelze im Inneren der Kokille sowie durch den Materialabtrag während des Zerspanungsprozesses. Für uns war vor allem die logistische Herausforderung interessant. Für einen Abguss 300 Tonnen Schmelze durch drei Pfannen gleichzeitig zu einem festgelegten Zeitpunkt mit einer definierten Temperatur sowie einer festgelegten Zusammensetzung bereitzustellen, erfordert viel Erfahrung und technisches Know-How.

Anschließend konnten wir uns nach diesem sehr interessanten Einblick in die Abläufe eines Großgusses in der werkseigenen Kantine stärken. Gut gesättigt ging es dann für unsere Gruppe zu den weiteren Stationen der Walzenproduktion. Dazu zählte auch die Glüherei mit insgesamt 23 Öfen zur Wärmebehandlung. Des Weiteren wurde uns die Zerspanungshalle mit einer der weltweit größten Walzenschleifmaschinen vorgestellt. Im Anschluss bekamen wir noch eine Führung durch das Prüflabor mit Erklärungen zu den eingesetzten Geräten und Verfahren. Viele dieser Geräte waren uns aus Praktika einiger Module im Rahmen des Studiums bereits bekannt.

Schlussendlich möchten wir uns ganz herzlich bei Herrn Prof. Wolf für die Kontaktaufnahme mit der Gontermann-Peipers GmbH bedanken. Des Weiteren danken wir Herrn Gädke für die Möglichkeit, solch eine Firmenexkursion möglich gemacht zu haben. Schlussendlich natürlich besonderen Dank an Herrn Bläser und Herrn Kebschull, die sich sehr persönlich mit viel Zeit um uns gekümmert und sich unseren Fragen gestellt haben. Allen Mitarbeitern danken wir für diesen hochinteressanten Einblick.

Glück auf

Erik Struwe

Christian Krapf

Jonas Pröger

Felix Töberich

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Nachwuchsingenieure zu Gast bei Meuselwitz Guss

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Die Meuselwitz Guss Eisengiesserei GmbH stellte sich in den vergangenen 3 Wochen interessierten Schülern und Studenten vor. Nach „Jugend forscht“ und dem „Tag der Berufe“ besuchten am vergangenen Donnerstag, den 17.03.2016, 18 Studenten der Technischen Universität Bergakademie Freiberg den Gießereibetrieb. Im Rahmen des jährlichen Exkursionsprogramms fiel die Wahl der angehenden Wirtschaftsingenieure, Werkstoffwissenschaftler und Gießereiingenieure auf die Meuselwitzer Spezialisten für Groß-und Schwerguss.

Dipl.-Ing. Ingo Lappat und Dipl.-Ing. Benjamin Aurich erläuterten bei einem umfangreichen Betriebsrundgang die einzelnen Fertigungsbereiche, stellten aktuelle Sortimente vor und traten mit den interessierten Studenten in regen Austausch.

Nach dem Abguss eines 6,5t schweren Maschinenständers waren die Besucher vollends von der Komplexität und dem Anspruch des Fertigungsverfahrens „Gießen“ überzeugt.

Bei einem Mittagsimbiss wurden den jungen, potentiellen Nachwuchskräften die Forschungsschwerpunkte hinsichtlich Werkstoff-und Prozessoptimierung vorgestellt. Schließlich ermöglicht die Gießerei die Abhandlung von Praxissemester-und Abschlussarbeiten, die zum Pflichtprogramm der akademischen Ausbildung an der TU Freiberg gehören. Jeder Student sucht nach spannenden und praxisnahen Themen, um die ersten „Gehversuche“ in der Industrie zu wagen.

Auch der Geschäftsführer Dipl.-Ing. Herbert Werner ließ es sich nicht nehmen, die Besucher persönlich zu begrüßen und die Vorteile und Potentiale des kaltzähen Sphärogusses zu erläutern.

Mit den gesammelten Eindrücken verließen die Studenten die Gießerei in Richtung Freiberg. Der ein oder andere wird sie sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen haben.