
Madlen Grau promoviert an der Professur für Entrepreneurship und betriebswirtschaftliche Steuerlehre. Im August reiste sie für einen Forschungsaufenthalt zu Partnern an die TU Wien.
Dein Forschungsthema kurz erklärt: Worum geht’s und was macht es für dich so spannend?

Ich promoviere zur Frage, wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Spannungsfeld von knappen Ressourcen und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen gut geführt werden können. Im Zentrum stehen die neuen europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) – insbesondere die geplanten freiwilligen EU-Standards (VSME) für KMU – und die Frage, wie sich deren Logik mit einer praxistauglichen Governance verbinden lässt. Mich interessiert, wie Berichts- und Steuerungsstrukturen so gestaltet werden können, dass sie Transparenz schaffen, ohne KMU zu überfordern, und gleichzeitig verantwortungsvolle Entscheidungsprozesse unterstützen. Spannend ist für mich vor allem der Moment, in dem abstrakte Regulierungen plötzlich sehr konkrete Auswirkungen auf Unternehmen, Beschäftigte und regionale Wertschöpfung haben. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Normen, Managementpraxis und gesellschaftlicher Verantwortung möchte ich mit meiner Forschung Orientierung bieten.
Was hat dein Auslandsaufenthalt für dein Promotionsprojekt gebracht?

Der Aufenthalt an der TU Wien hat mich wirklich beflügelt und mein Promotionsprojekt spürbar vorangebracht. In wenigen Tagen konnten wir die Struktur unserer Publikation gemeinsam entwickeln, zentrale Abschnitte schreiben und ganz konkret durchspielen, wie sich die Anforderungen von VSME und ESRS auf KMU anwenden lassen. Besonders hilfreich war, dass wir ständig im direkten Austausch waren. Jede Idee wurde sofort besprochen, sortiert und, wenn sie überzeugend war, direkt in Text überführt. So ist Schritt für Schritt ein roter Faden für das Paper entstanden, an dem ich mich jetzt in der Promotion gut orientieren kann. Ich bin mit einer Idee nach Wien gekommen und mit einem ausgearbeiteten, greifbaren Konzept zurückgekehrt. Außerdem haben wir einen realistischen Zeitplan bis zur Einreichung festgelegt und die nächsten Aufgaben verteilt. Für meine Promotion bedeutet das vor allem mehr Klarheit, mehr Struktur und eine konkrete Publikation, die gerade auf einem sehr guten Weg ist.
Was konntest du für dich persönlich mitnehmen?
Persönlich habe ich aus dem Aufenthalt vor allem Vertrauen in meinen eigenen Forschungsweg mitgenommen. Die intensive gemeinsame Schreibzeit fernab des Uni-Alltags hat mir gezeigt, wie produktiv ich arbeiten kann, wenn der Fokus einmal ganz auf einem Projekt liegt. Gleichzeitig war es sehr motivierend zu erleben, wie offen und wertschätzend meine Ideen aufgenommen wurden. Der Aufenthalt hat mir gezeigt, dass ich in der Forschung wirklich angekommen bin. Neben der fachlichen Zusammenarbeit habe ich Wien noch einmal anders kennengelernt: als Ort, an dem Stadtleben, Austausch und konzentriertes Arbeiten erstaunlich gut zusammenpassen. Ich bin mit vielen Fragen angereist. Zurückgekommen bin ich mit deutlich mehr Orientierung. Ich weiß jetzt besser, wie mein Promotionsprojekt weitergehen soll. Und ich habe ein deutliches Bild davon, welche Rolle ich langfristig in der Hochschulforschung einnehmen möchte. Diese Erfahrung wirkt weit über die wenigen Tage vor Ort hinaus.
