
Hannah Keese ist Doktorandin am Institut für Geotechnik. Für ihre Promotion forschte sie 2024 vier Wochen an der Aalto University in Espoo (Finnland) am Department of Civil Engineering.
Dein Forschungsthema kurz erklärt: Worum geht’s und was macht es für dich so spannend?
Ich promoviere im Bereich der Geotechnik an der Professur für Bodenmechanik und Grundbau. Um die Ufersicherung an Bundeswasserstraßen in Zukunft umweltfreundlicher gestalten zu können, gibt es Überlegungen, statt den bisherigen Wasserbausteinen Pflanzen zu verwenden. Da die Pflanzen am Anfang wenig Stabilität und Auflast bieten, wird sich der Boden anders verhalten als unter den bisherigen Strukturen und wir wollen verstehen wie. Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) hat Versuche im Technikums-Maßstab durchgeführt, die helfen sollen, den Prozess der Verflüssigung besser zu verstehen. Bei diesem Prozess kommt es zu einem Phasenwechsel und der Boden verhält sich wie ein Fluid statt wie ein Feststoff. Ziel meiner Promotion ist die Ausarbeitung eines physikalisch-mathematischen Modells, das in der Lage ist, diesen Phasenwechsel und die durchgeführten Versuche abzubilden. Durch die Kombination verschiedener Bestandteile verstehen wir, was für den Prozess wichtig ist und machen den Prozess gleichzeitig in einem Computermodell greifbar.
Was hat dein Auslandsaufenthalt für dein Promotionsprojekt gebracht?

Während meines vierwöchigen Aufenthaltes in Finnland stand die Fragestellung im Fokus, ob der Boden im Modell als monodisperse Struktur (eine einzige Partikelgröße) vereinfacht werden kann, oder ob die reale Partikelgrößenverteilung abgebildet werden muss. Den Aufenthalt habe ich genutzt, um numerische Untersuchungen durchzuführen, Literatur zu studieren sowie mit dem Professor, Postdocs und Doktoranden vor Ort zu diskutieren. Dabei sind mir vor allem diese Diskussionen in Erinnerung geblieben – Wenn man sich aus seinem gewohnten Umfeld hinausbewegt, können einem ganz neue Denkanstöße gegeben werden. Die Forschenden vor Ort haben sich unterschiedlich an meine Fragestellung angenähert und mir Rückfragen aus Blickwinkeln gestellt, in deren Richtung ich vorher noch nicht gedacht hatte.
Was konntest du für dich persönlich mitnehmen?
Es kann so einfach sein, Kontakt herzustellen! Als die Überlegung bestand, dass ich für einen Forschungsaufenthalt nach Finnland möchte, habe ich dem Professor vor Ort einfach eine E-Mail geschrieben und er hat innerhalb von zwei Tagen geantwortet. Keine zwei Wochen später hatten wir mit meinem Professor hier vor Ort eine online Besprechung und danach stand der Plan. Dass es so unkompliziert möglich ist, hat mich überrascht! Ursprünglich wollte ich für vier Monate nach Finnland und habe mich für ein Stipendium beworben. Leider habe ich eine so kurzfristige Absage erhalten, dass der Aufenthalt zunächst geplatzt ist. In Rücksprache mit dem Professor an der Aalto University und unserem IUZ hat sich aber über Erasmus eine Möglichkeit für einen Monat ergeben. Nicht gleich aufgeben lohnt sich! Auch wenn es dann kürzer war als ursprünglich geplant, möchte ich die gesammelten Erfahrungen nicht missen!