Matheus Roberto Bellé berichtet über seinen Forschungsaufenthalt an der Kyushu Universität (Fukuoka) sowie die Teilnahme am 4th ISIJ–VDEh–Jernkontoret Joint Symposium for Iron and Steelmaking (Sendai, Japan)
Im Zeitraum vom 9. bis 17. April 2026 nahm ich an einer wissenschaftlichen Reise nach Japan teil, die sowohl den Besuch der Kyushu Universität in Fukuoka als auch die Teilnahme am 4th ISIJ–VDEh–Jernkontoret Joint Symposium for Iron and Steelmaking in Sendai umfasste. Ziel der Reise war die Vertiefung internationaler Forschungskooperationen im Bereich der Hochtemperatur-Prozessmetallurgie sowie der fachliche Austausch mit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Japan, Deutschland und Schweden. Die Anreise nach Japan verlief insgesamt angenehm, wenngleich es zu Beginn zu kleineren organisatorischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Einreiseformalität kam. Diese konnten jedoch erfolgreich bewältigt werden. Der erste Aufenthaltstag in Fukuoka bot zudem einen ersten kulturellen Einblick, unter anderem durch die Verkostung der regionaltypischen Tonkotsu-Ramen.
Am 10. April erfolgte der Besuch der Arbeitsgruppe von Prof. Ko-ichiro Ohno an der Kyushu Universität. Der Tag begann mit einem fachlichen Austausch im Büro von Ohno-sensei und markierte den Auftakt eines intensiven deutsch-japanischen wissenschaftlichen Dialogs. Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragestellungen der Hochtemperaturmetallurgie, insbesondere Grenzflächenreaktionen zwischen Schlacke und Metall, Permeabilität sowie die Gestaltung von Reaktionsräumen. Am Nachmittag fand ein gemeinsames technisches Seminar unter dem Titel „Japan–Germany Technical Exchange on Advanced Steelmaking and Process Metallurgy“ statt. Im Rahmen dieses Seminars wurden folgende Vorträge präsentiert:
- Ko-ichiro Ohno: Hydrogen Ironmaking and High-Temperature Reaction Control
- Lukas Neubert: Vaporization of vanadium pentoxide from iron- and steelmaking slags
- Matheus R. Bellé: High-temperature thermophysical properties of steel and its interaction and filtration behavior with recyclate-based feeds

Die Beiträge verdeutlichten die zentrale Rolle thermophysikalischer Eigenschaften, interphasischer Phänomene sowie Verdampfungsprozesse für die Entwicklung zukünftiger CO2-armer metallurgischer Verfahren. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und führte zu lebhaften sowie fachlich tiefgehenden Diskussionen mit Studierenden und Forschenden. Im Anschluss an das Seminar wurde eine Führung durch die Labore von Ohno-sensei und Sato-sensei der Kyushu Universität durchgeführt. Besonders hervorzuheben ist das große Interesse an den experimentellen Methoden der Laboren, insbesondere an Hochtemperatur-Simulationsanlagen mit schneller Aufheiz- und Abschrecktechnik. Der Tag wurde durch ein gemeinsames Nomihoudai-Abendessen in Fukuoka abgerundet, welches den informellen Austausch weiter vertiefte.

In den Tagen vom 11. bis 12. April wurden kulturelle Exkursionen innerhalb der Insel Kyushu durchgeführt. Dazu zählten Besuche in Nagasaki, einschließlich historischer Stätten und Museen im Kontext des Zweiten Weltkriegs, sowie Ausflüge zum Vulkan Aso und in die bekannten Onsen-Regionen in Kumamoto, Beppu und Yufuin. Diese Programmpunkte boten wertvolle Einblicke in Geschichte und Kultur Japans. Am 13. April erfolgte die Weiterreise nach Sendai mittels Shinkansen.Nach Ankunft und Registrierung begann das Symposium mit einer informellen Auftaktveranstaltung („Get Together“), die erste Möglichkeiten zum Netzwerken bot.
Die Konferenztage am 14. und 15. April waren geprägt von hochkarätigen Fachvorträgen im Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung. Die Veranstaltung fand im „Sakura Hall“ statt, dessen Atmosphäre durch die zeitgleich einsetzende Kirschblüte geprägt war. Neben den wissenschaftlichen Beiträgen bot auch das Rahmenprogramm, einschließlich traditioneller japanischer Bento-Mahlzeiten, eine bereichernde Erfahrung.
Am 14. April präsentierte mein Kollege Lukas Neubert seine Forschungsergebnisse, während ich am 15. April meinen eigenen Vortrag hielt. Beide Präsentationen wurden vom Fachpublikum sehr positiv aufgenommen und führten zu intensiven Diskussionen. Besonders hervorzuheben ist, dass sich aus diesen Gesprächen spontane Einladungen zu Laborbesuchen an der Tohoku Universität ergaben. Die dort vorhandenen experimentellen Möglichkeiten, insbesondere im Bereich der Messung thermophysikalischer Eigenschaften von Schlacken, bieten großes Potenzial für zukünftige Kooperationen. Ein weiteres Highlight stellte das Konferenzbankett dar, bei dem neben regionaltypischer Küche auch japanischer Sake verkostet werden konnte. Dieses bot eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Vertiefung internationaler Kontakte in informeller Atmosphäre.

Am 16. April wurde das Synchrotron „NanoTerasu“ in Sendai besichtigt, gefolgt von der Weiterreise in die Region Tokio. Dort standen am 17. April mehrere industrielle Besuche auf dem Programm, darunter ein Elektrostahlwerk der Godo Steel sowie die Besichtigung von Anlagen der J&T Recycling Corporation und eines integrierten Hüttenwerks der Nippon Steel Corporation in Kimitsu (BF-BOF-Route). Diese Einblicke in die industrielle Praxis ergänzten die wissenschaftlichen Inhalte der Reise in idealer Weise. Die Reise wurde durch ein Treffen mit assoziierten Mitgliedern des Graduiertenkollegs GRK2802, nämlich Nishi-sensei und Endo-sensei sowie durch kurze kulturelle Programmpunkte in Tokio abgerundet, bevor am 19. April die Rückreise nach Deutschland erfolgte.
Zusammenfassend stellte die Teilnahme an dieser Reise eine außerordentlich wertvolle Erfahrung dar. Neben der fachlichen Weiterentwicklung und der Präsentation eigener Forschungsergebnisse konnten wichtige internationale Kontakte geknüpft und konkrete Perspektiven für zukünftige Kooperationen eröffnet werden. Darüber hinaus ermöglichte der Aufenthalt einen intensiven Einblick in die japanische Kultur und Arbeitsweise.
Mein besonderer Dank gilt der GRAFA für die großzügige Unterstützung, die diese wissenschaftlich und persönlich bereichernde Erfahrung erst ermöglicht hat.
Matheus Roberto Bellé, 24.04.2026
Lukas Neubert berichtet aus Japan: Einblicke in seine Forschungsreise im April 2026
Meine Japanreise stellte eine fachlich wie persönlich äußerst bereichernde Erfahrung dar und verband wissenschaftlichen Austausch, industrielle Einblicke sowie interkulturelle Begegnungen. Der Reiseverlauf gliederte sich in drei wesentliche Abschnitte: den Aufenthalt an der Kyushu University, die Teilnahme am 4th ISIJ–VDEh–Jernkontoret Joint Symposium in Sendai sowie einen abschließenden Aufenthalt in Tokio.
Aufenthalt an der Kyushu University in Fukuoka
Zu Beginn der Reise führte der Weg nach Fukuoka, wo das Department of Materials der Kyushu University besucht wurde. Ein zentraler Programmpunkt war ein eigener Fachvortrag vor Studierenden und Mitarbeitenden des Departments. Dabei wurden aktuelle Forschungsarbeiten bezüglich der Extraktion von wertvollen Elementen aus Eisenhüttenschlacken vorgestellt. Die anschließenden Diskussionen zeigten ein großes Interesse seitens der Zuhörenden und ermöglichten einen intensiven wissenschaftlichen Austausch.

Darüber hinaus wurden die Labore von Professor Ko-ichiro Ohno und Professor Noritaka Saito besichtigt. Die Einblicke in die experimentelle Forschung vor Ort verdeutlichten die hohe Qualität und Innovationskraft der japanischen Materialwissenschaften. Den Abschluss des Aufenthalts bildete ein gemeinsames Abendessen im traditionellen Fukuoka-Stil mit Yakitori und „Nomihodai“. Diese gesellige Runde bot nicht nur die Möglichkeit, den wissenschaftlichen Austausch in informeller Atmosphäre fortzusetzen, sondern auch kulturelle Eindrücke zu gewinnen und persönliche Kontakte zu vertiefen.
Weiterreise nach Sendai und Teilnahme am Symposium

Im Anschluss erfolgte die Weiterreise mit dem Shinkansen über Hamamatsu nach Sendai. In Sendai fand das 4th ISIJ–VDEh–Jernkontoret Joint Symposium statt, eine hochkarätige Veranstaltung mit rund 70 eingeladenen Expertinnen und Experten aus Deutschland, Japan und Schweden. Ziel des Symposiums war es, aktuelle Entwicklungen in der Eisen- und Stahlherstellung zu diskutieren und die internationale Zusammenarbeit weiter zu stärken.
Das Programm umfasste zahlreiche Fachvorträge zu zentralen Themen wie nachhaltige Produktionsprozesse, Ressourceneffizienz und innovative Technologien. Auch hier durfte ich einen eigenen Vortrag halten, mit der Möglichkeit, die eigene Forschung einem internationalen Fachpublikum vorzustellen und wertvolles Feedback zu erhalten.
Industriebesuche und Exkursionen

Ein wesentlicher Bestandteil des Symposiums waren mehrereWerksführungen und Besuche führender Industrie- und Forschungseinrichtungen. Dazu zählte unter anderem die Synchrotron Radiation Facility NanoTerasu, die modernste Methoden zur Materialcharakterisierung ermöglicht und neue Perspektiven für die Forschung eröffnet.
Weitere Stationen waren das Elektrostahlwerk von Godo Steel Ltd, die J&T Recycling Corporation sowie die Kimitsu Works der Nippon Steel Corporation. Diese Besuche boten einen direkten Einblick in industrielle Prozesse und verdeutlichten die Innovationskraft und Effizienz der japanischen Stahlindustrie.
Abschluss in der Hauptstadt Tokio

Vor dem Rückflug bot sich die Gelegenheit, einen Tag in Tokio touristisch zu verbringen. Die pulsierende Metropole vereint auf einzigartige Weise Tradition und Moderne und vermittelte einen weiteren Eindruck von der kulturellen Vielfalt Japans. Neben bekannten Sehenswürdigkeiten standen auch alltägliche Eindrücke des urbanen Lebens im Vordergrund, die die Reise auf angenehme Weise abrundeten.
Abschließend gilt ein besonderer Dank der GraFA, deren Unterstützung diese Reise erst ermöglicht hat. Ohne diese Förderung wäre die Teilnahme am Symposium sowie der intensive wissenschaftliche Austausch vor Ort nicht realisierbar gewesen. Die gewonnenen Erkenntnisse, Kontakte und Erfahrungen stellen einen nachhaltigen Mehrwert für unsere weitere wissenschaftliche Arbeit dar.
Lukas Neubert, 24/04/2026