20. Oktober 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Mit Plasmagasifizierung zu grünem Methanol: Neues biogeniV-Forschungsprojekt gestartet

Wie lassen sich bislang wenig genutzte biogene Reststoffe in wertvolle Rohstoffe für die Industrie umwandeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein neues Teilprojekt der TU Bergakademie Freiberg im BMBF-Innovationsbündnis biogeniV.

Das Forschungsprojekt „Plasmagasifizierung von Reststoffmischungen“ ist im September 2026 gestartet. Ziel ist es, die Herstellung von Synthesegas aus biogenen Reststoffen mithilfe eines Lichtbogenplasmas weiterzuentwickeln.

Vom Problemstoff zum Kohlenstoffträger

Gärreste aus Biogasanlagen bestehen zu mehr als 90 Prozent aus Wasser und enthalten zudem organische Bestandteile. Aufgrund ihres hohen Wassergehalts ist ihre thermochemische Verwertung technisch anspruchsvoll. Bislang werden sie häufig als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt. Gleichzeitig enthalten sie wertvollen Kohlenstoff, der für die Herstellung chemischer Grundstoffe genutzt werden könnte. Das Projekt setzt deshalb darauf, solche Reststoffe stärker als Ressource zu betrachten und ihre stoffliche Verwertung zu verbessern.

In einem vorangegangenen Teilprojekt wurden bereits Verfahren zur Entwässerung, Trocknung und Aufbereitung der Gärreste untersucht. Dabei entstanden kompakte Pellets, denen Biokohlen beigemischt werden können. Diese Aufbereitung schafft die Voraussetzungen für eine effizientere thermochemische Umwandlung. Das neue Vorhaben knüpft daran an und richtet den Blick auf die anschließende Erzeugung von Synthesegas.

Effiziente Synthesegaserzeugung durch Lichtbogenplasma

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Plasmagasifizierung:

  • Einsatz extremer Temperaturen: Zwischen zwei Elektroden wird ein elektrischer Lichtbogen erzeugt, durch den elektrische Energie in Form von Wärme bei extrem hohen Temperaturen in den Reaktor eingebracht wird.

  • Umwandlung in Synthesegas: Mithilfe dieser Wärme werden die aufbereiteten Reststoffmischungen in ein gasförmiges Zwischenprodukt umgewandelt.

  • Prozessoptimierung: Durch die Integration erneuerbarer Energiequellen und eine gezielte Prozessführung sollen die Kohlenstoffausnutzung maximiert, die Gasqualität verbessert und die Wirtschaftlichkeit der Biomethanolproduktion weiter gesteigert werden.

Beitrag zur grünen Chemie und Kreislaufwirtschaft

Das erzeugte Synthesegas ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische Industrie und kann perspektivisch zur Herstellung von grünem Methanol beitragen. Dieses lässt sich beispielsweise als Kraftstoff für die Schifffahrt oder als Ausgangsstoff für chemische Synthesen einsetzen. Das Innovationsbündnis biogeniV verfolgt darüber hinaus das Ziel, regionale biogene Reststoffe und erneuerbare Energien für die Herstellung nachhaltiger Kraft- und Wertstoffe nutzbar zu machen.

Für die Kreislaufwirtschaft eröffnet der Ansatz die Möglichkeit, biogene Reststoffe in neue Wertschöpfungsketten einzubinden. Wie klimafreundlich das Verfahren tatsächlich ist, hängt unter anderem vom Energieeinsatz und der Herkunft der eingesetzten Rohstoffe ab. Eine effiziente Nutzung der Energie- und Stoffströme ist daher ein wichtiger Aspekt der weiteren Forschung.

Laufzeit und Ausblick

Das Projekt läuft vom 1. September 2026 bis zum 28. Februar 2029 und wird gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen den Weg für eine Demonstrationsanlage ebnen und langfristig die Nutzung regionaler biogener Reststoffe zur Synthesegaserzeugung für die chemische Industrie ermöglichen.

Quelle & weitere Informationen: Pressemitteilung der TU Bergakademie Freiberg

16. September 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

ProSLO-Konferenz in Freiberg: Nachhaltige Rohstoffversorgung und gesellschaftliche Verantwortung

Wie lässt sich eine sichere Rohstoffversorgung mit ökologischer Verantwortung und gesellschaftlicher Akzeptanz verbinden? Dieser Frage widmete sich die erste ProSLO-Konferenz an der TU Bergakademie Freiberg. Unter dem Motto „Ethical Engineering of Prospering Futures (EEPF26): Strategies for Sustainable Raw Materials Development“ kamen vom 8. bis 10. September 2026 mehr als 60  internationale Gäste aus Wirtschaft und Forschung zusammen. Veranstaltungsort war das Schlossplatzquartier; das hybride Format ermöglichte auch eine Teilnahme online.

Angesichts geopolitischer Spannungen, gestörter Lieferketten und zunehmender Ressourcenknappheit gewinnt die verantwortungsvolle Versorgung mit kritischen Rohstoffen an Bedeutung. Zugleich werfen Rohstoffprojekte Fragen nach Umweltauswirkungen, gesellschaftlicher Beteiligung und dem Umgang mit lokalen Interessen auf. Die Konferenz brachte unterschiedliche Perspektiven auf diese Herausforderungen zusammen.

Ein Schwerpunkt war das Konzept der „Social Licence to Operate“ (SLO), also der gesellschaftlichen Akzeptanz von Rohstoffprojekten. Anhand verschiedener Praxisbeispiele diskutierten die Teilnehmenden, wie Konflikte entstehen und unter welchen Bedingungen Vertrauen in rohstoffabhängigen Regionen wachsen kann.

Weitere Beiträge beleuchteten, wie betroffene Gemeinschaften und andere Interessengruppen über den gesamten Lebenszyklus eines Bergbauprojekts hinweg beteiligt werden können. Dabei standen ethische Fragen der Beteiligung ebenso zur Diskussion wie indigene Perspektiven auf unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Das Themenspektrum reichte von Unterbrechungen internationaler Lieferketten über den nachhaltigen Umgang mit Rückständen aus der Rohstoffaufbereitung bis hin zur Berichterstattung über soziale Aspekte unternehmerischer Nachhaltigkeit. Auch europäische Strategien für eine verantwortungsvolle Rohstoffversorgung und der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft wurden diskutiert. Konkrete Konfliktfälle wie das Jadar-Projekt sowie Fragen zu Menschenrechts- und Umweltstandards in der europäischen Handelspolitik ergänzten das Programm.

Für die Kreislaufwirtschaft sind diese Themen unmittelbar relevant: Neben der Rückgewinnung und effizienten Nutzung von Rohstoffen gilt es, auch die sozialen und ökologischen Bedingungen entlang der Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen. Die Konferenz bot Gelegenheit, diese Zusammenhänge aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht zu beleuchten.

Auch Freibergs Bergbautradition war Teil des Programms. Am ersten Abend kamen die Gäste zu einem gemeinsamen Abendessen in der terra mineralia zusammen und lernten die Mineralienausstellung bei einer Führung kennen. Eine Nachtwächterführung durch die Freiberger Altstadt am zweiten Abend eröffnete weitere Einblicke in die Geschichte der Silberstadt.

Die drei Konferenztage boten Raum für fachliche Diskussionen, persönliche Begegnungen und internationale Vernetzung. Die Beiträge machten deutlich, wie eng eine nachhaltige Rohstoffversorgung mit Fragen von Vertrauen, Beteiligung und Verantwortung verbunden ist. Zugleich zeigten sie, welche Herausforderungen auf dem Weg zu einer gesellschaftlich getragenen Rohstoffgewinnung bestehen.

Die erste ProSLO-Konferenz bildete den Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die künftig alle zwei Jahre stattfinden soll. Damit soll der Dialog zwischen Forschung und Praxis fortgeführt und um weitere Perspektiven ergänzt werden.

21. August 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Mehr Recycling, weniger Abfall: Die neue EU-Verpackungsverordnung

Seit dem 12. August 2026 gelten in der Europäischen Union neue und strengere Regelungen für Verpackungen und Verpackungsabfälle. Die sogenannte EU-Verpackungsverordnung (Verordnung (EU) 2025/40, kurz PPWR) ist bereits im Februar 2025 in Kraft getreten; ihre wesentlichen Pflichten greifen jedoch erst jetzt. Als Verordnung gilt sie unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und ersetzt die bisherige Verpackungsrichtlinie aus dem Jahr 1994. Ziel ist vor allem, dass weniger Verpackungsabfälle entstehen und Verpackungen häufiger wiederverwendet oder recycelt werden.

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat: Im Jahr 2023 fielen in der EU durchschnittlich rund 178 Kilogramm Verpackungsabfälle pro Person an. In Deutschland lag die Menge mit rund 215 Kilogramm deutlich höher. Die neue Verordnung setzt deshalb bereits bei der Herstellung und Gestaltung von Verpackungen an. Verpackungen sollen nachhaltiger gestaltet und die verwendeten Materialien länger im Wirtschaftskreislauf gehalten werden.

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Regelungen ist die Verbesserung der Recyclingfähigkeit. Ab dem 1. Januar 2030 dürfen grundsätzlich nur noch Verpackungen in Verkehr gebracht werden, die recyclinggerecht gestaltet sind – konkret muss dann mindestens die Leistungsklasse C erreicht werden, was einer Recyclingfähigkeit von mindestens 70 Prozent entspricht. Ab 2038 steigen die Anforderungen auf mindestens 80 Prozent. Für Kunststoffverpackungen kommen ab 2030 zudem Mindestanteile an recyceltem Material hinzu, etwa 30 Prozent bei Einweggetränkeflaschen aus PET; bis 2040 steigen diese Quoten weiter an.

Gleichzeitig soll unnötiger Verpackungsmüll reduziert werden. Ab 2030 darf der Leerraum in Sammel-, Transport- und Versandverpackungen höchstens 50 Prozent des Volumens betragen. Damit soll verhindert werden, dass im Onlinehandel kleine Produkte in übermäßig großen Kartons verschickt werden.

Neben dem Recycling setzt die EU stärker auf die Wiederverwendung von Verpackungen. Dafür sollen Mehrwegsysteme ausgebaut werden: Ab 2030 gelten unter anderem Mehrwegquoten von 40 Prozent für Transportverpackungen im Versandhandel und von 10 Prozent für Getränkeverpackungen, die bis 2040 deutlich steigen. Für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkebehälter aus Metall mit einem Volumen bis drei Litern gilt ab 2029 eine getrennte Sammelquote von mindestens 90 Prozent. Um sie zu erreichen, müssen die Mitgliedstaaten bis zum 1. Januar 2029 Pfandsysteme einführen – ausgenommen sind Länder, die schon zuvor eine hohe Sammelquote nachweisen können. Deutschland verfügt mit dem bestehenden Einwegpfand bereits über ein solches System. Ab 2030 werden zudem bestimmte vermeidbare Einwegverpackungen aus Kunststoff verboten, darunter Miniaturverpackungen für Hygieneartikel im Hotelgewerbe, Portionsverpackungen für Zucker, Soßen oder Kaffeesahne in der Gastronomie sowie Verpackungen für frisches Obst und Gemüse unter 1,5 Kilogramm.

Die neuen Regelungen betreffen dabei nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern stellen vor allem Unternehmen vor neue Herausforderungen. Verpackungshersteller, Handel, Logistik, Lebensmittelwirtschaft und Onlinehandel müssen sich stärker damit beschäftigen, wie Verpackungen gestaltet, hergestellt und nach ihrer Nutzung wiederverwendet oder recycelt werden können. Für die Kreislaufwirtschaft geht es dabei nicht nur um die Vermeidung von Abfällen, sondern auch um einen sparsameren Umgang mit Rohstoffen und Energie. Werden Materialien nach ihrer Nutzung wiedergewonnen und erneut eingesetzt, können Primärrohstoffe eingespart und vorhandene Ressourcen effizienter genutzt werden.

Mit den neuen Regelungen beginnt ein schrittweiser Wandel im Umgang mit Verpackungen. Viele Vorgaben werden zwar erst in den kommenden Jahren wirksam, Unternehmen müssen sich jedoch bereits frühzeitig darauf einstellen. Verpackungen sollen künftig nicht mehr nur ihren Inhalt schützen und den Transport erleichtern, sondern zunehmend Teil eines funktionierenden Materialkreislaufs sein.

27. Juli 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Das Recht auf Reparatur wird Realität: Was die neue EU-Richtlinie ab dem 31. Juli 2026 bedeutet

Wer kennt das nicht: Das Smartphone stürzt nach zwei Jahren immer häufiger ab, die Waschmaschine macht seltsame Geräusche – und die Reparatur kostet fast so viel wie ein Neukauf. Oft landet das Gerät deshalb im Müll, obwohl es noch zu retten wäre. Damit soll ab dem 31. Juli 2026 Schluss sein. An diesem Datum tritt die EU-Richtlinie 2024/1799 – besser bekannt als die „Right to Repair“-Richtlinie – in allen EU-Mitgliedsstaaten in Kraft. Sie ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Wirtschaft, in der Produkte länger genutzt, seltener weggeworfen und häufiger repariert werden.

Was die Richtlinie konkret regelt

Im Kern verpflichtet die Richtlinie Hersteller dazu, bestimmte Produkte auf Verlangen zu reparieren – auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist. Das betrifft eine Reihe alltäglicher Geräte, die bereits heute Reparabilitätsanforderungen im EU-Recht unterliegen: Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspüler, Staubsauger, Smartphones, Tablets und elektronische Displays. Die Liste soll in den kommenden Jahren schrittweise erweitert werden.

Hersteller müssen Reparaturen zu einem angemessenen Preis und in angemessener Zeit anbieten. Sie sind außerdem verpflichtet, Ersatzteile bereitzustellen und dürfen weder durch Vertragsklauseln noch durch technische Schutzmechanismen – etwa in der Software – Reparaturen durch Dritte blockieren.

Wer sich während der Gewährleistungszeit für eine Reparatur statt eines Ersatzes entscheidet, wird belohnt: Die gesetzliche Garantie verlängert sich in diesem Fall automatisch um 12 Monate. Das soll den finanziellen Anreiz stärken, kaputte Produkte reparieren zu lassen, anstatt neue zu kaufen.

Mehr Transparenz und ein europäisches Reparaturportal

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher Reparaturangebote besser vergleichen können, wird ein standardisiertes Europäisches Reparaturinformationsblatt eingeführt. Werkstätten können dieses Formular freiwillig verwenden, um Konditionen, Kosten und Zeitrahmen übersichtlich darzustellen. Das Angebot gilt 30 Tage lang.

Darüber hinaus soll bis 2027 eine europäische Online-Plattform für Reparaturdienste eingerichtet werden – eine Art Suchmaschine für lokale Reparaturbetriebe, die an das „Your Europe“-Portal der EU angebunden wird. Einzelne Mitgliedstaaten sind außerdem verpflichtet, mindestens eine nationale Maßnahme zur Reparaturförderung einzuführen – von Reparaturgutscheinen bis hin zu Informationskampagnen.

Warum diese Richtlinie wichtig ist

Die Zahlen sprechen für sich: In der EU entstehen jedes Jahr 35 Millionen Tonnen vermeidbarer Elektroschrott und anderer Produktmüll, weil Defekte nicht repariert, sondern durch Neukäufe behoben werden. Die damit verbundenen unnötigen Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher werden auf fast 12 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Gleichzeitig gaben in einer Eurobarometer-Umfrage 77 % der EU-Bürger an, lieber zu reparieren als neu zu kaufen – wenn es denn einfach und erschwinglich wäre.

Die Reparaturrichtlinie setzt genau hier an: Sie senkt die Hemmschwelle, schafft Rechtssicherheit für Reparaturbetriebe und macht Reparieren wirtschaftlich attraktiver. Sie ist damit ein zentrales Element der EU-Strategie für nachhaltigere Produkte – neben der Ökodesign-Verordnung (ESPR) und dem kommenden Circular Economy Act.

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