Freiberg Center for Circular Economy

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24. Juni 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Kreislaufwirtschaft als Investitionsfeld: Globales Kapital nähert sich der 200-Milliarden-Dollar-Marke

Die Kreislaufwirtschaft wird zunehmend nicht nur als ökologisches Leitbild, sondern auch als wirtschaftlich relevantes Investitionsfeld betrachtet. Neue Daten des Circular Economy Investment Tracker (CEIT), veröffentlicht im Juni 2026 von der International Finance Corporation (IFC) in Zusammenarbeit mit der Weltbankgruppe, zeigen, dass zwischen 2018 und 2024 weltweit knapp 198 Milliarden US-Dollar an privatem Kapital in Unternehmen der Kreislaufwirtschaft geflossen sind. Damit wird deutlich, dass kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle inzwischen eine zunehmende Bedeutung für private Investoren erlangen.

Was der CEIT erfasst

Der CEIT dokumentiert private Investitionen in drei besonders materialintensiven Sektoren: Elektronik und Haushaltsgeräte, Verpackung sowie Textilien. Die Erhebung umfasst knapp 100 Volkswirtschaften weltweit. Insgesamt wurden rund 6.800 Transaktionen erfasst, davon 4.025 mit offengelegten Transaktionswerten.

Die Daten deuten auf eine zunehmende Dynamik hin. Vergleichbare Daten der Circularity Gap Report Finance-Initiative zeigen, dass die Investitionen in Kreislaufgeschäftsmodelle in der zweiten Hälfte des erfassten Zeitraums (2021–2023) um 87 % gegenüber der ersten Periode (2018–2020) gestiegen sind. Dies weist darauf hin, dass Kreislaufwirtschaft von Investoren zunehmend auch unter Gesichtspunkten wirtschaftlicher Tragfähigkeit, Skalierbarkeit und langfristiger Marktpotenziale bewertet wird.

Ungleich verteilte Investitionen

Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Struktur der Investitionen, dass das Kapital sehr ungleich verteilt ist. Drei Aspekte sind dabei besonders relevant.

Erstens profitieren Schwellen- und Entwicklungsländer bislang nur in begrenztem Umfang von den globalen Investitionsströmen. Von den knapp 198 Milliarden US-Dollar entfielen lediglich rund 14 Milliarden US-Dollar – also etwa sieben Prozent – auf einkommensschwache und mittlere Volkswirtschaften. Dies ist insofern bemerkenswert, als gerade dort zahlreiche praxisnahe Kreislauflösungen entstehen, etwa wiederverwendbare Glasflaschensysteme in Tansania oder Textilrecyclingbetriebe in der Türkei.

Zweitens ist ein großer Teil der Transaktionen vergleichsweise kleinvolumig. 75 % aller CEIT-Deals lagen bei 10 Millionen US-Dollar oder darunter. Für institutionelle Investoren sind solche Einzeltransaktionen häufig zu klein, sodass eine strukturelle Finanzierungslücke entsteht. Aggregationsmechanismen und Mischfinanzierungsstrukturen könnten dazu beitragen, kleinere Projekte besser investierbar zu machen.

Drittens konzentriert sich ein erheblicher Teil des Kapitals auf bereits etablierte und vergleichsweise risikoarme Geschäftsmodelle wie Reparatur, Wiederverkauf und konventionelles Recycling. Technologisch anspruchsvollere oder stärker transformative Ansätze – etwa chemisches Recycling oder Kreislaufdesign in der Produktentwicklung – bleiben demgegenüber schwieriger zu finanzieren, obwohl sie für die langfristige Transformation industrieller Wertschöpfungsketten von Bedeutung sein können.

Europa zwischen Dynamik und Finanzierungsbedarf

Europa nimmt im Bereich kreislaufwirtschaftlicher Investitionen eine wichtige Rolle ein. Mehr als 55 % des globalen Risikokapitals für Kreislaufstartups flossen zuletzt nach Europa, wie die Startup Map von Circular Republic zeigt. Gleichzeitig verweist die Europäische Investitionsbank (EIB) in ihrer aktuellen Studie „Transitioning to a Circular Economy“ auf eine jährliche Investitionslücke von rund 82 Milliarden Euro allein für Europa, um die bereits verabschiedeten EU-Kreislaufziele bis 2040 zu erreichen.

Diese Zahlen machen deutlich, dass bestehende Investitionsaktivitäten zwar relevant sind, jedoch voraussichtlich nicht ausreichen, um die angestrebte Transformation im erforderlichen Umfang zu finanzieren. Neben privatem Kapital sind daher verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, belastbare Standards und transparente Marktinformationen erforderlich.

Die Europäische Union adressiert diese Herausforderungen unter anderem durch den kommenden Circular Economy Act, die Ökodesign-Verordnung (ESPR) mit dem Digitalen Produktpass sowie die neue Abfallverbringungsverordnung mit dem DIWASS-System. Diese Instrumente sollen dazu beitragen, Sekundärrohstoffmärkte transparenter, rückverfolgbarer und verlässlicher zu machen. Damit können sie eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, dass privates Kapital stärker in zirkuläre Wertschöpfung gelenkt wird.

Bedeutung für Forschung und industrielle Umsetzung

Die CEIT-Daten zeigen, dass das Investitionsinteresse an der Kreislaufwirtschaft zunimmt. Zugleich verdeutlichen sie, dass die Verfügbarkeit von Kapital allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, ob Investitionen in solche Technologien, Geschäftsmodelle und Infrastrukturen fließen, die ökologische Wirkung, industrielle Anwendbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden.

Hier setzt die Forschungsarbeit des Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) an. Die TU Bergakademie Freiberg entwickelt Verfahren und Technologien – unter anderem in der Metallurgie, Aufbereitungstechnik und Werkstoffwissenschaft –, die eine zentrale Grundlage für die Umsetzung kreislaufwirtschaftlicher Lösungen bilden. Forschung kann dazu beitragen, technologische Risiken zu reduzieren, Skalierungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die industrielle Anwendung neuer Verfahren vorzubereiten.

Für die weitere Entwicklung der Kreislaufwirtschaft wird daher entscheidend sein, Wissen, industrielle Umsetzung und Finanzierung stärker miteinander zu verknüpfen. Investitionen können wichtige Transformationsprozesse ermöglichen, benötigen jedoch belastbare technologische Grundlagen, geeignete politische Rahmenbedingungen und tragfähige Geschäftsmodelle. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Forschung, Industrie und Kapital liegt eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre.

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09. Juni 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Rückblick auf das „Forum nachhaltige Wertschöpfung: Kreislaufwirtschaft und Logistik“

Am 8. Juni 2026 fand an der TU Bergakademie Freiberg das Fachkolloquium „Forum nachhaltige Wertschöpfung: Kreislaufwirtschaft und Logistik“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) gemeinsam mit dem Innovation & Kreislaufwirtschaft Sachsen e.V. (IKS). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie nachhaltige industrielle Wertschöpfungsketten gestaltet werden können – von der Kreislaufwirtschaft über erneuerbare Energien bis hin zu grüner Logistik.

Rund 40 Teilnehmende aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis kamen zusammen und diskutierten ein breites Spektrum an Themen. Behandelt wurden unter anderem technische Verfahren für die Kreislaufwirtschaft, Recycling von Metallen und Batteriematerialien, nachhaltige Logistiklösungen, Wasserstoffanwendungen, biobasierte Wertschöpfung, politische Anreizmechanismen sowie Methoden zur Analyse globaler Materialflüsse.

Besonders deutlich wurde dabei die große thematische Bandbreite der Kreislaufwirtschaft. Die Vorträge zeigten, dass zirkuläre Wertschöpfung nicht nur eine Frage einzelner Recyclingtechnologien ist, sondern das Zusammenspiel von Technik, Infrastruktur, wirtschaftlichen Anreizen, regulatorischen Rahmenbedingungen und logistischer Umsetzung erfordert. Gerade die Verbindung von industrieller Anwendung und wissenschaftlicher Analyse machte den besonderen Charakter des Forums aus.

Neben den Fachvorträgen bot die Veranstaltung zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Damit erfüllte das Forum auch ein zentrales Ziel: die Vernetzung von Akteuren aus der Region zu stärken und neue Perspektiven für Kooperationen im Bereich nachhaltiger Wertschöpfung zu eröffnen.

Für das FCCE war das Kolloquium ein wichtiger Beitrag zur interdisziplinären Diskussion über Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Transformation. Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, dass Freiberg mit seiner Expertise in Rohstoffen, Verfahrenstechnik, Recycling, Nachhaltigkeitsmanagement und Wirtschaftsethik ein geeigneter Ort ist, um diese Debatten zusammenzuführen und weiterzuentwickeln.

01. Juni 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Kreislaufwirtschaft als Klimastrategie: EEA veröffentlicht drei neue Studien

Kreislaufwirtschaft ist längst kein Nischenthema mehr – sie rückt zunehmend ins Zentrum der europäischen Klima- und Wirtschaftspolitik. Das unterstreicht die Europäische Umweltagentur (EEA) mit drei neuen Studien, die am 19. Mai 2026 gleichzeitig veröffentlicht wurden. Das gemeinsame Fazit: Eine konsequente Kreislaufwirtschaft ist sowohl ökologisch notwendig als auch wirtschaftlich attraktiv – und Europa hat noch viel ungenutztes Potenzial.

17 Maßnahmen, drei Umweltziele

Die erste Studie – „The Environmental and Climate Benefits of Circular Economy“ – quantifiziert erstmals systematisch, wie viel Kreislaufwirtschaft zur Erreichung der EU-Klimaziele beitragen kann. Das Ergebnis: Ein Paket aus 17 konkreten Kreislaufmaßnahmen in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Rohstoffgewinnung könnte die EU-Treibhausgasemissionen um 22 % senken – das entspricht knapp einer Milliarde Tonnen CO₂-Äquivalenten. Gleichzeitig ließe sich der Biodiversitätsverlust um 19 % und die Feinstaubbelastung um 25 % reduzieren.

Besonders bedeutsam: Die modellierten Maßnahmen würden auch die Rohstoffabhängigkeit Europas spürbar verringern. Der Import von Aluminium-, Nickel- und Platingruppenmetallen aus anderen Weltregionen könnte um rund 20 % sinken, bei Kupfer um 12 %. Für eine Wirtschaft, die stark auf externe Rohstofflieferanten angewiesen ist, ist das ein erheblicher strategischer Vorteil.

Investitionslücke von 82 Milliarden Euro pro Jahr

Die zweite Studie – „Unlocking the Circular Economy: Investment Needs, Barriers and Enabling Conditions“ – richtet den Blick auf die Finanzierungsseite. Die EEA kommt zu einem ernüchternden Befund: Um die bereits verabschiedeten EU-Ziele zur Kreislaufwirtschaft bis 2040 zu erreichen, fehlen jährlich rund 82 Milliarden Euro an Investitionen.

Die größten Lücken bestehen in den Bereichen Bauwirtschaft, Textilien sowie Batterien und Fahrzeuge – also genau jenen Sektoren, in denen der Materialeinsatz besonders hoch und die Recyclingquoten besonders niedrig sind. Die Studie betont: Zwar dominiert aktuell privates Kapital, aber öffentliche Finanzierung spielt eine entscheidende katalytische Rolle – etwa durch die Absicherung von Risiken und die Förderung langfristiger Finanzierungsmodelle.

Gebäude, Straßen, Maschinen: Das schlummernde Rohstofflager

Die dritte Studie – „Material Stocks in a Circular Economy“ – beleuchtet eine oft übersehene Ressource: die sogenannten Materialbestände. Jeder EU-Bürger verbraucht im Schnitt 14,4 Tonnen Material pro Jahr – davon landen über 6 Tonnen dauerhaft in Gebäuden, Infrastruktur oder Maschinen.

Diese Bestände sind nicht nur Verbrauch – sie sind auch Potenzial. Wenn Gebäude, Fahrzeuge und Industrieanlagen gezielt auf Wiederverwendbarkeit und Rückbaubarkeit ausgelegt werden, können sie zu einer heimischen Rohstoffquelle der Zukunft werden. Das würde Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Abhängigkeit von Importen weiter reduzieren.

Einordnung: Was bedeutet das für die Forschung?

Die drei EEA-Studien liefern wichtige Argumente für die wissenschaftliche und politische Debatte rund um Kreislaufwirtschaft. Sie zeigen: Das Thema ist messbar, modellierbar und wirtschaftlich quantifizierbar. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass technologische Innovationen allein nicht ausreichen – es braucht auch gezielte Investitionen, bessere Daten und kohärente Rahmenbedingungen.

Für das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) sind die Studienergebnisse ein direkter Bezugspunkt: Ob bei der Entwicklung neuer Recyclingverfahren, der Analyse von Materialflüssen oder der Forschung zu Sekundärrohstoffen – die Fragen, die die EEA stellt, sind dieselben, an denen in Freiberg gearbeitet wird.

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21. Mai 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

CircEcon-Campus: Was gerade in der Lausitz entsteht – und warum es wichtig ist

Die Lausitz ist seit Jahrzehnten geprägt vom Braunkohleabbau. Doch die Region befindet sich im Wandel – und ein ambitioniertes Forschungsprojekt soll dabei eine zentrale Rolle spielen: der CircEcon-Campus, kurz für „Green Circular Economy“, der noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll.

Ein Campus, vier Universitäten, ein Ziel

Im Industriepark Schwarze Pumpe bei Spreetal entsteht derzeit auf rund 14.500 Quadratmetern ein Forschungszentrum, das in seiner Art europaweit einzigartig ist. Vier sächsische Hochschulen bündeln dort ihre Kräfte: die Technischen Universitäten Dresden, Chemnitz und Freiberg sowie die Hochschule Zittau/Görlitz. Mit einer Gesamtförderung von rund 108 Millionen Euro durch Bund und Freistaat Sachsen ist CircEcon eines der größten Forschungsinvestitionen im Bereich Kreislaufwirtschaft in Deutschland.

Den Grundstein legte man feierlich am 11. Juni 2025 – im Beisein der sächsischen Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Seitdem laufen die Bauarbeiten unter Federführung der TU Dresden auf Hochtouren.

Was wird dort konkret erforscht?

Das Herzstück des Campus sind Pilotanlagen, Versuchslinien und Reallabore, in denen kreislaufwirtschaftliche Technologien im industriellen Maßstab entwickelt und erprobt werden sollen. Vier Schwerpunktbereiche stehen im Vordergrund:

  • Faserverbundwerkstoffe: Hochfeste Materialkombinationen aus Glas-, Kohle- oder Naturfasern sind in modernen Produkten weit verbreitet, aber schwer zu recyceln. CircEcon entwickelt neue Verfahren, um diese Werkstoffe in den Kreislauf zurückzuführen.
  • Biogene Materialien: Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Hanf oder Stroh sollen als Grundlage für neue, recyclingfähige Produkte erforscht werden.
  • Leichtmetallkreisläufe: Die TU Bergakademie Freiberg bringt ihre Expertise in Metallurgie und Aufbereitungstechnik ein, mit Fokus auf Aluminium und Magnesium – Materialien, die in Elektrofahrzeugen und Leichtbaukonstruktionen massiv an Bedeutung gewinnen.
  • KI-gestützte Recyclingprozesse: Digitale Sortiertechnologien, Künstliche Intelligenz und grüner Wasserstoff sollen dazu beitragen, Materialkreisläufe klimaneutral zu schließen.

Das Ziel: Technologien nicht nur im Labor zu entwickeln, sondern sie bis zur Marktreife zu bringen – in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen der Region.

Strukturwandel mit wissenschaftlicher Substanz

CircEcon ist mehr als ein Forschungsprojekt. Es ist ein Baustein des Strukturwandels in der Lausitz – einer Region, die durch den Kohleausstieg unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Der Campus soll hochqualifizierte Fachkräfte anziehen, Unternehmensgründungen fördern und Zuliefernetzwerke stärken.

Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt betonte bei der Grundsteinlegung, CircEcon biete der Lausitz die Chance, einen neuen, umweltfreundlichen Wirtschaftszweig zu etablieren. Tatsächlich könnten aus dem Forschungsbetrieb heraus Ausgründungen und Kooperationen entstehen, die langfristig Arbeitsplätze schaffen – diesmal nicht im Tagebau, sondern in der Wissens- und Technologiewirtschaft.

Die Rolle der TU Bergakademie Freiberg

Für das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) und die TUBAF insgesamt ist CircEcon ein zentrales strategisches Projekt. Die Ressourcenuniversität Freiberg bringt Jahrzehnte an Expertise in der Metallurgie, Aufbereitungstechnik und Werkstoffwissenschaft ein. Im Verbund kann die TUBAF erstmals den vollständigen Leichtmetallkreislauf im Pilotmaßstab abbilden – von der Aufbereitung von Sekundärrohstoffen bis hin zur Verarbeitung zu neuen Produkten.

Ende 2026 – spätestens 2027 – soll der reguläre Forschungsbetrieb beginnen. Bis dahin laufen die Bauarbeiten, und die beteiligten Institute bereiten ihre Pilotprojekte vor. Es entsteht etwas, das die Lausitz und Sachsen als Wissenschaftsstandort langfristig prägen wird.

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13. Mai 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Einladung zum „Forum nachhaltige Wertschöpfung: Kreislaufwirtschaft und Logistik“

Die Transformation in Richtung einer effizienten Kreislaufwirtschaft ist eine Grundvoraussetzung zur Erreichung der gesetzten Nachhaltigkeitsziele und kann in Deutschland und Europa zu einem Innovations- und Wachstumsmotor werden.

Unter dem Motto „Gestaltung nachhaltiger industrieller Wertschöpfungsketten: Von der Kreislaufwirtschaft über erneuerbare Energien bis hin zu grüner Logistik“ organisiert das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) gemeinsam mit dem Innovation & Kreislaufwirtschaft Sachsen e.V. (IKS) das interdisziplinäre Fachkolloquium „Forum nachhaltige Wertschöpfung: Kreislaufwirtschaft und Logistik“. Die Veranstaltung findet am 8. Juni 2026 an der TU Bergakademie Freiberg (SPQ-1301, Krüger-Hörsaal, Schloßplatzquartier) statt.

Das Kolloquium beginnt um 9:00 Uhr mit der Begrüßung. Anschließend folgen Fachvorträge zu den verschiedenen Schwerpunkten des Kolloquiums sowie Zeit für Austausch und Vernetzung. Das Fachkolloquium wird überwiegend auf Deutsch durchgeführt; einige Beiträge werden auf Englisch präsentiert.

Im Mittelpunkt stehen technische Innovationen, wirtschaftliche Umsetzungsmöglichkeiten und politische Rahmenbedingungen für eine nachhaltige industrielle Transformation. Behandelt werden vier zentrale Themenfelder: Prozess- und Verfahrenstechnik für die Kreislaufwirtschaft, Modellierung und Analyse kreislaufwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten, grüne Logistik und Nachhaltigkeit im Transportsektor sowie Politik und Governance nachhaltiger Wertschöpfung.

Ziel der Veranstaltung ist neben dem fachlichen Austausch vor allem die Vernetzung von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung in der Region. Damit bietet das Forum eine Plattform, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren, Kooperationen anzustoßen und konkrete Perspektiven für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Wertschöpfung zu entwickeln.

Geleitet wird das Fachkolloquium von Prof. Dr. Karina Sopp, Prof. Dr. Gari Walkowitz, Prof. Dr. Simon Glöser-Chahoud sowie Erich Fritz, Vorstandsvorsitzender des Innovation & Kreislaufwirtschaft Sachsen e.V.

Das FCCE freut sich auf einen spannenden Austausch und zahlreiche Teilnehmende.

Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier: Link

07. Mai 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Circularity Gap Report 2026: Die Welt verliert jährlich 25,4 Billionen Euro durch lineare Wirtschaft

Wie viel kostet uns die Wegwerfwirtschaft – in Euro und Cent? Dieser Frage geht der Circularity Gap Report 2026 nach, der im April 2026 von der gemeinnützigen Organisation Circle Economy in Zusammenarbeit mit Deloitte Netherlands veröffentlicht wurde. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Weltwirtschaft verliert jährlich schätzungsweise 25,4 Billionen Euro an vermeidbarem Wert – allein durch lineare, verschwenderische Wirtschaftspraktiken.

Was ist der „Value Gap“?

Bisherige Ausgaben des Circularity Gap Reports haben vor allem die sogenannte Kreislaufquote in den Blick genommen: den Anteil der Materialien, die tatsächlich recycelt oder wiederverwendet in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. Mit 6,9 % ist dieser Wert erschreckend niedrig – und er ist in den letzten Jahren sogar weiter gesunken, von 9,1 % im Jahr 2018.

Die Ausgabe 2026 ergänzt diese Perspektive um eine neue wirtschaftliche Kennzahl: den Value Gap. Dieser beschreibt die Summe aller vermeidbaren Wertverluste, die durch ineffiziente Materialnutzung, vorzeitigen Produktverschleiß und ungenutzte Ressourcen entstehen. Kurz gesagt: Für jeden dritten Euro wirtschaftlicher Leistung, den die Welt erbringt, geht gleichzeitig ein Euro durch Linearität und Verschwendung verloren.

Wo geht der Wert verloren?

Der Bericht identifiziert fünf zentrale Verlustpfade:

  • End-of-Life-Abfälle (10,0 Bio. Euro): Produkte – von Elektronik bis Textilien – die entsorgt statt wiederverwendet oder recycelt werden, machen den größten Anteil aus.
  • Energieverluste (8,7 Bio. Euro): Von der Rohstoffgewinnung bis zur Nutzung geht enormen Mengen an Energie verloren, etwa durch ineffiziente Prozesse oder schlechte Gebäudedämmung.
  • Kapitalverschleiß (5,2 Bio. Euro): Gebäude, Infrastruktur und Maschinen, die schneller verfallen als nötig – durch mangelnde Wartung, Überalterung oder Unternutzung.
  • Lebensmittelverschwendung (0,65 Bio. Euro): Essbare Nahrungsmittel, die den Verbraucher nie erreichen.
  • Prozessverluste in der Produktion (0,9 Bio. Euro): Materialschwund und Ausschuss bei der industriellen Fertigung.

Was bedeutet das für die Kreislaufwirtschaft?

Der Circularity Gap Report 2026 verschiebt die Debatte: Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr nur ein ökologisches Gebot, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wenn rund 31 % des globalen BIP jährlich durch lineare Praktiken verloren gehen, dann ist die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaft eine der größten wirtschaftlichen Chancen unserer Zeit.

Die Autoren schlagen vor, Kreislaufstrategien in drei Richtungen zu stärken: durch das Recht auf Reparatur, durch den Übergang von Produktbesitz zu Nutzungsmodellen (Product-as-a-Service) sowie durch den Abbau von Subventionen für die Gewinnung von Primärrohstoffen. Gleichzeitig betonen sie, dass herkömmliche Wirtschaftskennzahlen wie das BIP strukturelle Wertverluste systematisch ausblenden – und fordern ergänzende Metriken, die Ressourceneffizienz sichtbar machen.

Einordnung

Für die Forschung und Lehre im Bereich Kreislaufwirtschaft – wie sie das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) betreibt – liefert der Bericht wichtige Impulse. Er zeigt, dass die Transformation zu einer kreislauforientierten Wirtschaft nicht nur technologische Innovationen erfordert, sondern auch neue wirtschaftliche Denkrahmen, veränderte Anreizsysteme und kohärente politische Rahmenbedingungen. Gerade auf EU-Ebene gewinnt dieses Thema aktuell an Dynamik: Mit dem geplanten Circular Economy Act, dessen Gesetzentwurf die EU-Kommission in der zweiten Hälfte 2026 vorlegen will, steht eine historisch bedeutsame Weichenstellung bevor.

 

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28. April 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Dämmstoffe, Batterie-Recycling, Lieferrobotik und Zahndiagnostik: TUBAF Innovation Fonds fördert fünf neue Transferprojekte

Mit dem TUBAF Innovation Fonds unterstützt die TU Bergakademie Freiberg erneut anwendungsnahe Forschung mit klarer Transferperspektive. In der aktuellen Förderrunde wurden fünf Projekte ausgewählt, die Forschungsergebnisse gezielt weiterentwickeln und konkrete Schritte in Richtung wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Anwendung vorbereiten sollen. Die geförderten Teams erhalten für bis zu zwölf Monate jeweils maximal 90.000 Euro.

Die Auswahl der Projekte erfolgte am 16. April 2026 durch eine interdisziplinäre Expertenjury. Insgesamt hatten sich acht Teams aus unterschiedlichen Fachbereichen der TU Bergakademie Freiberg beworben. Bewertet wurden insbesondere der Innovationsgrad, die Umsetzbarkeit sowie die wirtschaftliche Verwertungsperspektive der Vorhaben.

Die geförderten Projekte zeigen die thematische Breite der Freiberger Forschung: Sie reichen von nachhaltigen Dämmstoffen über Batterie-Recycling und Robotik bis hin zu innovativen Verfahren in der medizinischen Diagnostik. Damit verdeutlichen sie zugleich, wie stark Forschung an der TUBAF auf Zukunftsthemen wie Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Technologietransfer ausgerichtet ist.

Ein besonderer Bezug zur Circular Economy zeigt sich insbesondere in den Projekten zu nachhaltigen Dämmstoffen und zum Batterie-Recycling. Im Projekt ProWoll wird speziell beschichtete Schafwolle als nachhaltiger Dämmstoff weiterentwickelt. Ziel ist ein dauerhafter Mottenschutz, der den praktischen Einsatz des Naturmaterials erleichtern soll. Auch das Projekt HanfPro verfolgt einen ressourcenorientierten Ansatz: Hier wird ein vollständig biobasierter Dämmstoff aus Hanf entwickelt, der ökologische und wirtschaftliche Anforderungen verbinden soll.

Das Projekt ILOnA adressiert ein zentrales Thema der Kreislaufwirtschaft: das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Entwickelt wird eine spektroskopische Messtechnik zur Analyse von Elektrolytlösemitteln. Dadurch soll deren Rückgewinnung künftig wirtschaftlich ermöglicht werden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Batteriemärkte und steigender Anforderungen an Rohstoffkreisläufe ist dies ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung effizienter Recyclingprozesse.

Neben diesen material- und ressourcenbezogenen Projekten werden auch technologische und medizinische Innovationen gefördert. FlexBot entwickelt ein kontextsensitives Kartenkonzept für autonome Lieferroboter. Dadurch soll die Navigation in komplexen Umgebungen verbessert werden. Das Projekt SONOVITA arbeitet an einem objektiven Verfahren zur Zahnvitalitätsdiagnostik, das bisherige Sensibilitätsprüfungen perspektivisch zuverlässiger ersetzen könnte.

Der TUBAF Innovation Fonds ist am Prorektorat für Forschung und Transfer angesiedelt. Mit ihm stärkt die Universität gezielt den Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft. Forschende erhalten dadurch die Möglichkeit, vielversprechende Ideen über die Grundlagenforschung hinaus weiterzuentwickeln und tragfähige Anschlussoptionen vorzubereiten, etwa durch Unternehmenskooperationen, Lizenzmodelle oder Ausgründungen.

Die fünf ausgewählten Projekte machen deutlich, wie vielfältig Innovations- und Transferpotenziale an der TU Bergakademie Freiberg sind. Sie verbinden wissenschaftliche Expertise mit konkreten Anwendungsperspektiven und leisten damit einen Beitrag zur nachhaltigen und technologischen Transformation.

Quelle: Dieser Beitrag basiert auf einer Meldung aus den News der TU Bergakademie Freiberg zum TUBAF Innovation Fonds.

16. April 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Ab Mai 2026: Neue EU-Regeln für die Verbringung von Abfällen treten in Kraft

Die grenzüberschreitende Verbringung von Abfällen ist ein zentraler Baustein europäischer Umwelt- und Kreislaufwirtschaftspolitik. Gleichzeitig ist sie mit Risiken verbunden, etwa durch mangelnde Transparenz, ineffiziente Verfahren oder illegale Exporte. Genau hier setzt die neue EU-Abfallverbringungsverordnung an. Zwar ist die Verordnung (EU) 2024/1157 bereits seit Mai 2024 in Kraft, wesentliche Teile gelten jedoch erst ab dem 21. Mai 2026.

Ziel der neuen Regeln ist es, Abfallverbringungen innerhalb der EU besser zu überwachen, Verfahren zu modernisieren und den Umwelt- und Gesundheitsschutz zu stärken. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die Digitalisierung: Künftig sollen Informationen und Dokumente über ein einheitliches elektronisches System übermittelt werden. Dadurch sollen Abfallströme besser nachvollziehbar und Verwaltungsverfahren effizienter werden.

Zugleich will die EU entschiedener gegen illegale Abfallverbringungen vorgehen. Die neue Verordnung stärkt deshalb Kontrolle, Durchsetzung und Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden. Das ist auch für die Kreislaufwirtschaft relevant: Wertstoffe sollen sicherer, transparenter und gezielter zu den jeweils geeigneten Verwertungs- und Recyclinganlagen gelangen.

Darüber hinaus werden auch die Regeln für Abfallexporte in Drittstaaten verschärft. Gerade bei Kunststoffabfällen gelten ab Mai 2026 strengere Anforderungen; weitere Beschränkungen folgen in den kommenden Monaten und Jahren. Damit will die EU sicherstellen, dass problematische Abfallströme nicht einfach in Länder mit niedrigeren Umweltstandards verlagert werden.

Insgesamt markiert der Mai 2026 einen wichtigen Schritt für eine stärker kontrollierte und zukunftsfähige europäische Abfallpolitik. Die neuen Vorgaben zeigen, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur technologische Innovationen braucht, sondern auch klare und wirksame Regeln für den Umgang mit Abfallströmen.

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26. März 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Umweltpolitik im Spannungsfeld von Energiewende und Schattenwirtschaft: Rückblick auf das 11. Forschungsseminar

Am Donnerstag, den 26. März 2026, fand von 13 bis 14 Uhr die 11. Veranstaltung des „Übergreifenden Forschungsseminars Kreislaufwirtschaft“ des Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) statt. Die Veranstaltung wurde im Seminarraum EG.133 des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung (ZeHS) in Freiberg ausgerichtet und brachte zahlreiche Interessierte von der TUBAF zusammen. Auch online zugeschaltete Teilnehmende nahmen an der Veranstaltung teil.

Den Vortrag mit dem Titel „Environmental Policy Stringency, Renewable Electricity Transition and the Shadow Economy“ hielten Prof. Dr. Aleksandra Kuzior (Silesian University of Technology, Gliwice) und Prof. Dr. Serhiy Lyeonov (Silesian University of Technology sowie Sumy State University, Ukraine).

Im Zentrum stand die Frage, wie die Stringenz umweltpolitischer Maßnahmen die Transformation hin zu erneuerbaren Energien sowie die Entwicklung informeller Wirtschaftsstrukturen beeinflusst. Obwohl das Thema nicht unmittelbar der klassischen Kreislaufwirtschaft zuzuordnen ist, wurde seine hohe Relevanz für nachhaltige Transformationsprozesse deutlich. Die Studie basiert auf Paneldaten für bis zu 31 europäische Länder im Zeitraum von 2000 bis 2023 und analysiert unterschiedliche umweltpolitische Instrumente sowie deren zeitverzögerte Effekte.

Die Ergebnisse zeigen, dass Umweltpolitik differenzierte und teils nichtlineare Wirkungen entfaltet: Während bestimmte Maßnahmen den Ausbau erneuerbarer Energien fördern und zugleich die Schattenwirtschaft reduzieren können, weisen andere Instrumente auf Effizienzprobleme oder unerwünschte Nebenwirkungen hin. Insgesamt verdeutlichen die Befunde die Bedeutung einer gezielten und differenzierten Ausgestaltung umweltpolitischer Instrumente.

In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere Zielkonflikte zwischen ökologischer Transformation und institutionellen Effekten sowie die konkrete Ausgestaltung politischer Instrumente thematisiert. Die Veranstaltung unterstrich erneut die Relevanz interdisziplinärer Forschung für die Gestaltung nachhaltiger Transformationsprozesse.

19. März 2026 – Maximilian Vincent Erdmann

Innovativer Brennofen für umweltfreundlicheren Beton

Die Herstellung von Beton gehört zu den größten CO₂-Verursachern weltweit, insbesondere wegen der energieintensiven Zementproduktion. Genau an diesem Punkt setzt ein aktuelles Forschungsprojekt der TU Bergakademie Freiberg an. Ein neu entwickelter Brennofen soll dazu beitragen, Beton deutlich umweltfreundlicher herzustellen.

Im Fokus steht ein innovativer Drehrohrofen, der neue Wege in der Energieversorgung beschreitet. Statt fossiler Brennstoffe wie Erdgas setzen die Forschenden auf elektrisch betriebene Technologien. Dabei kommen unter anderem moderne Hochtemperaturverfahren wie Induktions-oder Plasmatechnologien zum Einsatz, die es ermöglichen, die notwendigen Temperaturen für die Herstellung von Zementklinker klimafreundlicher zu erzeugen. Dieser Schritt ist besonders relevant, weil bei der Klinkerproduktion enorme Mengen an CO₂ entstehen, sowohl durch den Energieeinsatz als auch durch chemische Prozesse im Material selbst. Durch die Umstellung auf elektrische Energie, idealerweise aus erneuerbaren Quellen, kann zumindest ein großer Teil dieser Emission reduziert werden.

Das Projekt zeigt, wie sich klassische Industrieprozesse durch technologische Innovation neu denken lassen. Gerade in der Baustoffindustrie, die bislang stark von fossilen Energieträgern abhängig ist, könnten solche Entwicklungen eine wichtige Rolle spielen.

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