
Wie lässt sich eine sichere Rohstoffversorgung mit ökologischer Verantwortung und gesellschaftlicher Akzeptanz verbinden? Dieser Frage widmete sich die erste ProSLO-Konferenz an der TU Bergakademie Freiberg. Unter dem Motto „Ethical Engineering of Prospering Futures (EEPF26): Strategies for Sustainable Raw Materials Development“ kamen vom 8. bis 10. September 2026 mehr als 60 internationale Gäste aus Wirtschaft und Forschung zusammen. Veranstaltungsort war das Schlossplatzquartier; das hybride Format ermöglichte auch eine Teilnahme online.
Angesichts geopolitischer Spannungen, gestörter Lieferketten und zunehmender Ressourcenknappheit gewinnt die verantwortungsvolle Versorgung mit kritischen Rohstoffen an Bedeutung. Zugleich werfen Rohstoffprojekte Fragen nach Umweltauswirkungen, gesellschaftlicher Beteiligung und dem Umgang mit lokalen Interessen auf. Die Konferenz brachte unterschiedliche Perspektiven auf diese Herausforderungen zusammen.
Ein Schwerpunkt war das Konzept der „Social Licence to Operate“ (SLO), also der gesellschaftlichen Akzeptanz von Rohstoffprojekten. Anhand verschiedener Praxisbeispiele diskutierten die Teilnehmenden, wie Konflikte entstehen und unter welchen Bedingungen Vertrauen in rohstoffabhängigen Regionen wachsen kann.
Weitere Beiträge beleuchteten, wie betroffene Gemeinschaften und andere Interessengruppen über den gesamten Lebenszyklus eines Bergbauprojekts hinweg beteiligt werden können. Dabei standen ethische Fragen der Beteiligung ebenso zur Diskussion wie indigene Perspektiven auf unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit.
Das Themenspektrum reichte von Unterbrechungen internationaler Lieferketten über den nachhaltigen Umgang mit Rückständen aus der Rohstoffaufbereitung bis hin zur Berichterstattung über soziale Aspekte unternehmerischer Nachhaltigkeit. Auch europäische Strategien für eine verantwortungsvolle Rohstoffversorgung und der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft wurden diskutiert. Konkrete Konfliktfälle wie das Jadar-Projekt sowie Fragen zu Menschenrechts- und Umweltstandards in der europäischen Handelspolitik ergänzten das Programm.
Für die Kreislaufwirtschaft sind diese Themen unmittelbar relevant: Neben der Rückgewinnung und effizienten Nutzung von Rohstoffen gilt es, auch die sozialen und ökologischen Bedingungen entlang der Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen. Die Konferenz bot Gelegenheit, diese Zusammenhänge aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht zu beleuchten.
Auch Freibergs Bergbautradition war Teil des Programms. Am ersten Abend kamen die Gäste zu einem gemeinsamen Abendessen in der terra mineralia zusammen und lernten die Mineralienausstellung bei einer Führung kennen. Eine Nachtwächterführung durch die Freiberger Altstadt am zweiten Abend eröffnete weitere Einblicke in die Geschichte der Silberstadt.
Die drei Konferenztage boten Raum für fachliche Diskussionen, persönliche Begegnungen und internationale Vernetzung. Die Beiträge machten deutlich, wie eng eine nachhaltige Rohstoffversorgung mit Fragen von Vertrauen, Beteiligung und Verantwortung verbunden ist. Zugleich zeigten sie, welche Herausforderungen auf dem Weg zu einer gesellschaftlich getragenen Rohstoffgewinnung bestehen.
Die erste ProSLO-Konferenz bildete den Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die künftig alle zwei Jahre stattfinden soll. Damit soll der Dialog zwischen Forschung und Praxis fortgeführt und um weitere Perspektiven ergänzt werden.


