
Am Montag, den 2. März 2026, fand von 13 bis 14 Uhr die 10. Veranstaltung des „Übergreifenden Forschungsseminars Kreislaufwirtschaft“ des Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) statt. Das kleine Jubiläum wurde im Seminarraum EG.133 des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung (ZeHS) in Freiberg begangen. Zahlreiche Forschende, Promovierende, Studierende sowie Praktikerinnen und Praktiker nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch.
Den Vortrag mit dem Titel „Zur Wirksamkeit von Ökomodulationen: Experimentelle Evidenz von Branchenexperten zur Erweiterten Herstellerverantwortung“ hielt Maximilian Erdmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Verhaltens- und Wirtschaftsethik der TU Bergakademie Freiberg.
Im Mittelpunkt stand die Erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) als umweltpolitisches Instrument zur Förderung nachhaltiger Produktkreisläufe. Diskutiert wurde insbesondere die Frage, inwiefern Ökomodulationen – also differenzierte Gebührenmodelle innerhalb von EPR-Systemen – wirksamere Anreize für nachhaltiges Ökodesign setzen können als die bislang dominierende gewichtsbasierte Grundgebühr.
Die vorgestellte Studie basiert auf einem groß angelegten verhaltensökonomischen Experiment mit 377 Branchenexpertinnen und -experten. Unter kontrollierten Bedingungen wurden verschiedene Anreizstrategien miteinander verglichen und deren Auswirkungen auf Produktgestaltung, Produktgewicht, ökologische Effekte sowie auf die Einnahmen und Kosteneffizienz von EPR-Institutionen analysiert. Darüber hinaus wurden psychologische Mechanismen untersucht, die den Entscheidungsprozessen zugrunde liegen.
Die Ergebnisse zeigen erstmals in diesem Forschungsfeld, dass Ökomodulationen einen klaren Lenkungseffekt in Richtung nachhaltigerer Produktgestaltung entfalten und zur Reduktion ökologischer Externalitäten beitragen. Demgegenüber setzt die klassische, gewichtsbasierte Gebühr vor allem Anreize zur Gewichtsreduktion, ohne zwingend eine umfassendere ökologische Optimierung zu fördern.
Besonders hervorzuheben ist die Rolle individueller Umweltwerte: Diese wirken sich deutlich positiv auf Ökodesign-Entscheidungen aus. Gleichzeitig wurde ein potenzieller Crowding-out-Effekt sichtbar, insbesondere bei weiblichen Teilnehmenden, was auf komplexe Interaktionen zwischen intrinsischer Motivation und regulatorischen Eingriffen hinweist. Zudem zeigte sich, dass Ökomodulationen trotz möglicher Einnahmerückgänge die Kosteneffizienz von EPR-Systemen verbessern können.
In der anschließenden Diskussion wurde intensiv über die regulatorische Ausgestaltung zukünftiger EPR-Systeme, mögliche Implikationen für die europäische Abfallpolitik sowie über normative Fragen der Verantwortung und Fairness debattiert. Das Jubiläumsseminar verdeutlichte eindrucksvoll, wie empirische Verhaltensforschung zur Weiterentwicklung umweltpolitischer Instrumente beitragen kann und unterstrich die Relevanz interdisziplinärer Ansätze für die Kreislaufwirtschaft.
