2013 Asien Mongolei Geotechnik&Bergbau

Obwohl die Praktikumsbeschreibung „The trainee will be involved in current research affairs.“völlig nichtssagend war und ich somit überhaupt keine Vorstellungen über die Gestaltung meines Praktikums hatte, erwartete ich nicht, außerhalb des Instituts zu arbeiten. Erfreulicherweise kam es anders, am ersten Tag fragte mich der Institutsleiter, was ich am liebsten tun würde. Meinem Wunsch, so viel wie möglich vom praktischen mongolischen Bergbaubetrieb zu sehen und der Bitte, ob sich das irgendwie einrichten ließe, wurde problemlos statt gegeben. So kam es, dass ich am Institut selbst nur vier Wochen arbeitete und daneben die Chance bekam, insgesamt drei Wochen in drei unterschiedlichen mongolischen Tagebauen zu verbringen. Mir wurde bereits vor Reiseantritt der Tipp gegeben dass man alles verhandeln könne und dies auf jeden Fall versuchen sollte.

A034bKonkret arbeitete ich eine Woche im Braunkohletagebau in Baganuur, zwei Tage in Shivee Ovoo im Braunkohletagebau und zwei Wochen lang in Erdenet im Kupfererztagebau. In den Tagebauen habe ich alle Bereiche und Abteilungen durchlaufen, wie z.B. geologische Abteilung, Markscheiderei, Tagebauplanung, Fahrzeug- und Fahrweginstandhaltungsabteilung, Sprengabteilung, bis hin zur Aufbereitungsanlage. In der geologischen Abteilung wurden die Erzgehalte der Bohrkerne untersucht und ich konnte meine rohstoffgeologischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. In der Markscheidewesen-Abteilung ging es im Wesentlichen darum, den Abbaufortschritt des Tagebaus zu dokumentieren und die Bohrlöcher zu lokalisieren, um bestimmen zu können, welches Gestein als Abraum, als Erz oder als gesondert gelagerter Abraum gefördert wird. Die Vermessungstechnik war mir natürlich aus dem deutschen Bergbau bereits bekannt. Im Planungsstab wurde koordiniert, in welchem Baufeld wann, wo und wie gearbeitet wird. Besonders interessante Einblicke erhielt ich beim Dispatcher in der Leitzentrale. Dort wurde direkt auf betriebliche Veränderungen wie Ausfälle von Baggern, Bohrgeräten oder Kippern reagiert. Diese Tätigkeit war höchst spannend, schließlich bekommt man in der Steuerzentrale den besten Überblick über die Gesamtheit der Abläufe sowie ihre gegenseitige Abhängigkeit und ist ständig über alle Prozesse informiert. In der Fahrzeuginstandhaltung konnte ich mir einen Überblick über Bergbaugeräte aller Art zu verschaffen. Sehr imposant waren hier natürlich die großen, schweren und äußerst robusten Geräte russischer Herkunft. In der Sprengabteilung konnte ich direkt praktisch mitarbeiten. Hier ging es darum den Sprengstoff zu den Bohrlöchern zu transportieren und diese nach Anweisung und unter Aufsicht des zuständigen Sprengingenieurs zu befüllen. Ebenso spannend war für mich der Einblick in die Aufbereitungsanlage. Da in Deutschland kein Kupfererz gefördert wird, gibt es auch keine vergleichbare Aufbereitung. Bevor ich die Anlage besichtigen konnte, wurde ich vorab mit englischsprachiger Fachliteratur versorgt, um mich einzuarbeiten. Bei einer Begehung der Anlage konnten dann noch meine verbliebenen Fragen geklärt werden. Von der schieren Größe der Anlage war ich sehr beeindruckt.

C004Am Institut bestand meine Aufgabe im Wesentlichen aus technischem Zeichnen, einfacheren Berechnungen, Übersetzungen und der Gestaltung einer Präsentation über kontinuierliche (die in Deutschland übliche) Förderungstechnik im Tagebau. Im gesteinsmechanischen Labor konnte ich Versuche durchführen. Das war für mich anfänglich ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil nicht nach den Regeln der mir bekannten und in Deutschland angewandten DIN, sondern nach den Vorschriften der GOST (russische Norm) gearbeitet wurde, an die ich mich erst gewöhnen musste.

neu2Meine Betreuer haben alles unternommen, um mir so viel wie möglich zu zeigen und beizubringen. Aus Sicht des Instituts bestand der Schwerpunkt meines Praktikums nicht vordergründig auf der Ableistung meiner Arbeitszeit, sondern auf einem bestmöglichen Lernprozesses meinerseits. Die Kollegen in Erdenet haben sogar einen konkreten Plan ausgearbeitet, damit mir auch auf keinen Fall etwas entgeht. Da die Mongolei eines der boomenden Bergbauländer der Welt ist sollte man die Gelegenheit, sich vor Ort darüber zu informieren unbedingt wahrnehmen.

Bis zum meinem Auslandsaufenthalt war Ulan-Bator für mich immer ein Synonym für das Ende der Welt. Tatsächlich bekommt das berühmte „the middle of nowhere“ in der riesigen Mongolei eine völlig neue Dimension. Für mich war bereits vor der Abreise völlig klar, dass ich mich komplett umstellen müsste. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und daher war mir klar, mit Allem rechnen zu müssen. Diese Einstellung hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, da viele andere Praktikanten sich darüber nicht so im Klaren waren und von der Realität oft mehr enttäuscht als verwundert waren. Ohne Zweifel kann man in UB als Mitteleuropäer schnell einen Kulturschock bekommen. Auch ich war in den ersten Tagen ein wenig unsicher, ob ich mich an das Chaos der Großstadt gewöhnen könnte.

neu3Ulaanbaatar ist alles vom Ger (Jurte) bis zum Hochhaus mit Glasfassade. Vor allem in den Vororten, die ich auf dem Weg zur Arbeit täglich durchquerte, gehören Hütten, Gers, nicht asphaltierte Seitenstraße, ein fehlendes Frisch- und Abwassersystem und Müllberge zum gewohnten Bild. Doch keine Angst, die Studenten werden recht zentrumsnah in einem moderat eingerichteten Wohnheim untergebracht. Abgesehen von einigen kleinen Mängeln wie Türproblemen, über längere Zeit fehlendes, fließend-warmes Wasser, schlechtes Internet, kein Kühlschrank und keine Waschmaschine war das Leben im Wohnheim recht passabel. Probleme mit Diebstahl oder Kriminalität gab es im Wohnheim nicht. Für jedes der beschriebenen Probleme findet man mit ein wenig Improvisationstalent auch unschwer eine Lösung. Warum sollten wir als angehende Ingenieure, die sich irgendwann einmal mit großen technischen Problemen befassen sollen, nicht mit solchen Lapalien fertig werden. Glücklicherweise wohnen alle ausländischen Studenten Tür an Tür, sodass man sich jederzeit gegenseitig helfen kann. Man fährt sowieso besser, kleinere Reparaturen selbst durchzuführen, anstelle es dem Fremdsprachen nicht mächtigen Wohnheimpersonal zu erklären.

 Mit Englisch ist das sowieso so eine Sache. An meinem Institut sprachen nur ein Mitarbeiter englisch und einer deutsch, jedoch alle in gehobenen Positionen perfekt russisch. Russischkenntnisse sind definitiv von riesengroßem Vorteil, z.B. in Erdenet wurde alles auf russisch gedruckt und alle offiziellen Besprechungen waren auf russisch, jedoch kommt man auch irgendwie ohne durch. Praktisch ist es jedoch, vorher schon die kyrillischen Buchstaben zu beherrschen.

Die beste Reisezeit für die Mongolei ist der Zeitraum von Anfang Juni bis Ende August. Einerseits ist das Klima recht angenehm, andererseits finden die Naadamspiele statt, die man sich als Mongoleireisender auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Gewöhnen muss man sich an das Essen. Fleisch gibt es in riesigen Mengen zu jeder Mahlzeit, aufgrund der nomadischen Tradition und der kargen Böden wird nur sehr wenig Gemüse gegessen. Vegetarismus verstehen die traditionellen Mongolen nicht und wer sich unbedingt vegetarisch ernähren will, wird Schwierigkeiten in Kauf nehmen müssen.

Generell ist das Essen sehr abwechslungsarm und recht fettig, doch man gewöhnt sich daran. Die angebotenen mongolischen Spezialitäten sollte man unbedingt probieren, Ablehnen gilt oft als unhöflich. Acht geben sollte man bei Getränken. Weine sind sehr teuer, Bier ist in Ordnung aber das traditionelle Getränk ist der Wodka. Den gibt es in riesiger Auswahl und in jedem Geschäft zu geringen Preisen. Getrunken wird er in recht unhomöopatischen Mengen. Ein Glas sind ca. 5 cl, von denen gibt es allerdings mehrere.

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Mir fehlt im Ausland in der Regel zu erst das Mischbrot. Jedoch gibt es in Ulaanbaatar eine Bäckerei (Café Sachers, Baga Toiruu), in der man dieses bekommt. Weiterhin problematisch ist Kaffee. Wenn man Kaffee bekommt ist es in der Regel Instantkaffee. Vielleicht ist es klug eine Packung Kaffee und Filtertüten mitzunehmen, im normalen Laden bekommt man so etwas nämlich nicht und ggf. eignet er sich auch als Gastgeschenk. Weiterhin sind Aufschnitt und Käse eher selten und meist sehr teuer, genauso wie Obst.

Ulaanbaatar ist nicht gerade das, was man gewöhnlich als schöne Stadt bezeichnen würde, außerdem hat es nichts mit der „echten“ Mongolei zu tun. Man sollte auf jeden Fall versuchen, aus der Stadt herauszukommen um das traditionelle mongolische Landleben zu erleben. Dort wird noch richtig nomadisch in Gers zusammen mit den Tieren auf der Sommerweide gelebt. Hierzu sollte man sich entweder an die Betreuer wenden oder sich touristischen Touren anschließen. Reisen auf eigene Faust ist in dem Riesenland aufgrund des schlecht ausgebauten öffentlichen Transportsystems so gut wie unmöglich. Man sollte es unbedingt versuchen, auf einem Pferd zu reiten, ansonsten war man nicht in der Mongolei!

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