07. Mai 2026 – Maximilian Vincent Erdmann Allgemein

Circularity Gap Report 2026: Die Welt verliert jährlich 25,4 Billionen Euro durch lineare Wirtschaft

Wie viel kostet uns die Wegwerfwirtschaft – in Euro und Cent? Dieser Frage geht der Circularity Gap Report 2026 nach, der im April 2026 von der gemeinnützigen Organisation Circle Economy in Zusammenarbeit mit Deloitte Netherlands veröffentlicht wurde. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Weltwirtschaft verliert jährlich schätzungsweise 25,4 Billionen Euro an vermeidbarem Wert – allein durch lineare, verschwenderische Wirtschaftspraktiken.

Was ist der „Value Gap“?

Bisherige Ausgaben des Circularity Gap Reports haben vor allem die sogenannte Kreislaufquote in den Blick genommen: den Anteil der Materialien, die tatsächlich recycelt oder wiederverwendet in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. Mit 6,9 % ist dieser Wert erschreckend niedrig – und er ist in den letzten Jahren sogar weiter gesunken, von 9,1 % im Jahr 2018.

Die Ausgabe 2026 ergänzt diese Perspektive um eine neue wirtschaftliche Kennzahl: den Value Gap. Dieser beschreibt die Summe aller vermeidbaren Wertverluste, die durch ineffiziente Materialnutzung, vorzeitigen Produktverschleiß und ungenutzte Ressourcen entstehen. Kurz gesagt: Für jeden dritten Euro wirtschaftlicher Leistung, den die Welt erbringt, geht gleichzeitig ein Euro durch Linearität und Verschwendung verloren.

Wo geht der Wert verloren?

Der Bericht identifiziert fünf zentrale Verlustpfade:

  • End-of-Life-Abfälle (10,0 Bio. Euro): Produkte – von Elektronik bis Textilien – die entsorgt statt wiederverwendet oder recycelt werden, machen den größten Anteil aus.
  • Energieverluste (8,7 Bio. Euro): Von der Rohstoffgewinnung bis zur Nutzung geht enormen Mengen an Energie verloren, etwa durch ineffiziente Prozesse oder schlechte Gebäudedämmung.
  • Kapitalverschleiß (5,2 Bio. Euro): Gebäude, Infrastruktur und Maschinen, die schneller verfallen als nötig – durch mangelnde Wartung, Überalterung oder Unternutzung.
  • Lebensmittelverschwendung (0,65 Bio. Euro): Essbare Nahrungsmittel, die den Verbraucher nie erreichen.
  • Prozessverluste in der Produktion (0,9 Bio. Euro): Materialschwund und Ausschuss bei der industriellen Fertigung.

Was bedeutet das für die Kreislaufwirtschaft?

Der Circularity Gap Report 2026 verschiebt die Debatte: Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr nur ein ökologisches Gebot, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wenn rund 31 % des globalen BIP jährlich durch lineare Praktiken verloren gehen, dann ist die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaft eine der größten wirtschaftlichen Chancen unserer Zeit.

Die Autoren schlagen vor, Kreislaufstrategien in drei Richtungen zu stärken: durch das Recht auf Reparatur, durch den Übergang von Produktbesitz zu Nutzungsmodellen (Product-as-a-Service) sowie durch den Abbau von Subventionen für die Gewinnung von Primärrohstoffen. Gleichzeitig betonen sie, dass herkömmliche Wirtschaftskennzahlen wie das BIP strukturelle Wertverluste systematisch ausblenden – und fordern ergänzende Metriken, die Ressourceneffizienz sichtbar machen.

Einordnung

Für die Forschung und Lehre im Bereich Kreislaufwirtschaft – wie sie das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) betreibt – liefert der Bericht wichtige Impulse. Er zeigt, dass die Transformation zu einer kreislauforientierten Wirtschaft nicht nur technologische Innovationen erfordert, sondern auch neue wirtschaftliche Denkrahmen, veränderte Anreizsysteme und kohärente politische Rahmenbedingungen. Gerade auf EU-Ebene gewinnt dieses Thema aktuell an Dynamik: Mit dem geplanten Circular Economy Act, dessen Gesetzentwurf die EU-Kommission in der zweiten Hälfte 2026 vorlegen will, steht eine historisch bedeutsame Weichenstellung bevor.

 

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