Die Kreislaufwirtschaft wird zunehmend nicht nur als ökologisches Leitbild, sondern auch als wirtschaftlich relevantes Investitionsfeld betrachtet. Neue Daten des Circular Economy Investment Tracker (CEIT), veröffentlicht im Juni 2026 von der International Finance Corporation (IFC) in Zusammenarbeit mit der Weltbankgruppe, zeigen, dass zwischen 2018 und 2024 weltweit knapp 198 Milliarden US-Dollar an privatem Kapital in Unternehmen der Kreislaufwirtschaft geflossen sind. Damit wird deutlich, dass kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle inzwischen eine zunehmende Bedeutung für private Investoren erlangen.
Was der CEIT erfasst
Der CEIT dokumentiert private Investitionen in drei besonders materialintensiven Sektoren: Elektronik und Haushaltsgeräte, Verpackung sowie Textilien. Die Erhebung umfasst knapp 100 Volkswirtschaften weltweit. Insgesamt wurden rund 6.800 Transaktionen erfasst, davon 4.025 mit offengelegten Transaktionswerten.
Die Daten deuten auf eine zunehmende Dynamik hin. Vergleichbare Daten der Circularity Gap Report Finance-Initiative zeigen, dass die Investitionen in Kreislaufgeschäftsmodelle in der zweiten Hälfte des erfassten Zeitraums (2021–2023) um 87 % gegenüber der ersten Periode (2018–2020) gestiegen sind. Dies weist darauf hin, dass Kreislaufwirtschaft von Investoren zunehmend auch unter Gesichtspunkten wirtschaftlicher Tragfähigkeit, Skalierbarkeit und langfristiger Marktpotenziale bewertet wird.
Ungleich verteilte Investitionen
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Struktur der Investitionen, dass das Kapital sehr ungleich verteilt ist. Drei Aspekte sind dabei besonders relevant.
Erstens profitieren Schwellen- und Entwicklungsländer bislang nur in begrenztem Umfang von den globalen Investitionsströmen. Von den knapp 198 Milliarden US-Dollar entfielen lediglich rund 14 Milliarden US-Dollar – also etwa sieben Prozent – auf einkommensschwache und mittlere Volkswirtschaften. Dies ist insofern bemerkenswert, als gerade dort zahlreiche praxisnahe Kreislauflösungen entstehen, etwa wiederverwendbare Glasflaschensysteme in Tansania oder Textilrecyclingbetriebe in der Türkei.
Zweitens ist ein großer Teil der Transaktionen vergleichsweise kleinvolumig. 75 % aller CEIT-Deals lagen bei 10 Millionen US-Dollar oder darunter. Für institutionelle Investoren sind solche Einzeltransaktionen häufig zu klein, sodass eine strukturelle Finanzierungslücke entsteht. Aggregationsmechanismen und Mischfinanzierungsstrukturen könnten dazu beitragen, kleinere Projekte besser investierbar zu machen.
Drittens konzentriert sich ein erheblicher Teil des Kapitals auf bereits etablierte und vergleichsweise risikoarme Geschäftsmodelle wie Reparatur, Wiederverkauf und konventionelles Recycling. Technologisch anspruchsvollere oder stärker transformative Ansätze – etwa chemisches Recycling oder Kreislaufdesign in der Produktentwicklung – bleiben demgegenüber schwieriger zu finanzieren, obwohl sie für die langfristige Transformation industrieller Wertschöpfungsketten von Bedeutung sein können.
Europa zwischen Dynamik und Finanzierungsbedarf
Europa nimmt im Bereich kreislaufwirtschaftlicher Investitionen eine wichtige Rolle ein. Mehr als 55 % des globalen Risikokapitals für Kreislaufstartups flossen zuletzt nach Europa, wie die Startup Map von Circular Republic zeigt. Gleichzeitig verweist die Europäische Investitionsbank (EIB) in ihrer aktuellen Studie „Transitioning to a Circular Economy“ auf eine jährliche Investitionslücke von rund 82 Milliarden Euro allein für Europa, um die bereits verabschiedeten EU-Kreislaufziele bis 2040 zu erreichen.
Diese Zahlen machen deutlich, dass bestehende Investitionsaktivitäten zwar relevant sind, jedoch voraussichtlich nicht ausreichen, um die angestrebte Transformation im erforderlichen Umfang zu finanzieren. Neben privatem Kapital sind daher verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, belastbare Standards und transparente Marktinformationen erforderlich.
Die Europäische Union adressiert diese Herausforderungen unter anderem durch den kommenden Circular Economy Act, die Ökodesign-Verordnung (ESPR) mit dem Digitalen Produktpass sowie die neue Abfallverbringungsverordnung mit dem DIWASS-System. Diese Instrumente sollen dazu beitragen, Sekundärrohstoffmärkte transparenter, rückverfolgbarer und verlässlicher zu machen. Damit können sie eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, dass privates Kapital stärker in zirkuläre Wertschöpfung gelenkt wird.
Bedeutung für Forschung und industrielle Umsetzung
Die CEIT-Daten zeigen, dass das Investitionsinteresse an der Kreislaufwirtschaft zunimmt. Zugleich verdeutlichen sie, dass die Verfügbarkeit von Kapital allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, ob Investitionen in solche Technologien, Geschäftsmodelle und Infrastrukturen fließen, die ökologische Wirkung, industrielle Anwendbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden.
Hier setzt die Forschungsarbeit des Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) an. Die TU Bergakademie Freiberg entwickelt Verfahren und Technologien – unter anderem in der Metallurgie, Aufbereitungstechnik und Werkstoffwissenschaft –, die eine zentrale Grundlage für die Umsetzung kreislaufwirtschaftlicher Lösungen bilden. Forschung kann dazu beitragen, technologische Risiken zu reduzieren, Skalierungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die industrielle Anwendung neuer Verfahren vorzubereiten.
Für die weitere Entwicklung der Kreislaufwirtschaft wird daher entscheidend sein, Wissen, industrielle Umsetzung und Finanzierung stärker miteinander zu verknüpfen. Investitionen können wichtige Transformationsprozesse ermöglichen, benötigen jedoch belastbare technologische Grundlagen, geeignete politische Rahmenbedingungen und tragfähige Geschäftsmodelle. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Forschung, Industrie und Kapital liegt eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre.
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