Die Lausitz ist seit Jahrzehnten geprägt vom Braunkohleabbau. Doch die Region befindet sich im Wandel – und ein ambitioniertes Forschungsprojekt soll dabei eine zentrale Rolle spielen: der CircEcon-Campus, kurz für „Green Circular Economy“, der noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll.
Ein Campus, vier Universitäten, ein Ziel
Im Industriepark Schwarze Pumpe bei Spreetal entsteht derzeit auf rund 14.500 Quadratmetern ein Forschungszentrum, das in seiner Art europaweit einzigartig ist. Vier sächsische Hochschulen bündeln dort ihre Kräfte: die Technischen Universitäten Dresden, Chemnitz und Freiberg sowie die Hochschule Zittau/Görlitz. Mit einer Gesamtförderung von rund 108 Millionen Euro durch Bund und Freistaat Sachsen ist CircEcon eines der größten Forschungsinvestitionen im Bereich Kreislaufwirtschaft in Deutschland.
Den Grundstein legte man feierlich am 11. Juni 2025 – im Beisein der sächsischen Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Seitdem laufen die Bauarbeiten unter Federführung der TU Dresden auf Hochtouren.
Was wird dort konkret erforscht?
Das Herzstück des Campus sind Pilotanlagen, Versuchslinien und Reallabore, in denen kreislaufwirtschaftliche Technologien im industriellen Maßstab entwickelt und erprobt werden sollen. Vier Schwerpunktbereiche stehen im Vordergrund:
- Faserverbundwerkstoffe: Hochfeste Materialkombinationen aus Glas-, Kohle- oder Naturfasern sind in modernen Produkten weit verbreitet, aber schwer zu recyceln. CircEcon entwickelt neue Verfahren, um diese Werkstoffe in den Kreislauf zurückzuführen.
- Biogene Materialien: Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Hanf oder Stroh sollen als Grundlage für neue, recyclingfähige Produkte erforscht werden.
- Leichtmetallkreisläufe: Die TU Bergakademie Freiberg bringt ihre Expertise in Metallurgie und Aufbereitungstechnik ein, mit Fokus auf Aluminium und Magnesium – Materialien, die in Elektrofahrzeugen und Leichtbaukonstruktionen massiv an Bedeutung gewinnen.
- KI-gestützte Recyclingprozesse: Digitale Sortiertechnologien, Künstliche Intelligenz und grüner Wasserstoff sollen dazu beitragen, Materialkreisläufe klimaneutral zu schließen.
Das Ziel: Technologien nicht nur im Labor zu entwickeln, sondern sie bis zur Marktreife zu bringen – in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen der Region.
Strukturwandel mit wissenschaftlicher Substanz
CircEcon ist mehr als ein Forschungsprojekt. Es ist ein Baustein des Strukturwandels in der Lausitz – einer Region, die durch den Kohleausstieg unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Der Campus soll hochqualifizierte Fachkräfte anziehen, Unternehmensgründungen fördern und Zuliefernetzwerke stärken.
Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt betonte bei der Grundsteinlegung, CircEcon biete der Lausitz die Chance, einen neuen, umweltfreundlichen Wirtschaftszweig zu etablieren. Tatsächlich könnten aus dem Forschungsbetrieb heraus Ausgründungen und Kooperationen entstehen, die langfristig Arbeitsplätze schaffen – diesmal nicht im Tagebau, sondern in der Wissens- und Technologiewirtschaft.
Die Rolle der TU Bergakademie Freiberg
Für das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) und die TUBAF insgesamt ist CircEcon ein zentrales strategisches Projekt. Die Ressourcenuniversität Freiberg bringt Jahrzehnte an Expertise in der Metallurgie, Aufbereitungstechnik und Werkstoffwissenschaft ein. Im Verbund kann die TUBAF erstmals den vollständigen Leichtmetallkreislauf im Pilotmaßstab abbilden – von der Aufbereitung von Sekundärrohstoffen bis hin zur Verarbeitung zu neuen Produkten.
Ende 2026 – spätestens 2027 – soll der reguläre Forschungsbetrieb beginnen. Bis dahin laufen die Bauarbeiten, und die beteiligten Institute bereiten ihre Pilotprojekte vor. Es entsteht etwas, das die Lausitz und Sachsen als Wissenschaftsstandort langfristig prägen wird.
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