12. Mai 2022 – Unbekannt

Wissenschaft auf und unter der Erde im Fokus des Geokinematischen Tages

Wie die Ressourcengewinnung der Zukunft aussehen kann und wie sich diese mit dem Schutz der Umwelt und den Werten der heutigen Gesellschaft vereinbaren lässt, diskutieren rund 130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim 22. Geokinematischen Tag (12.-13. Mai) an der TU Bergakademie Freiberg.

Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen steigt kontinuierlich. Dementsprechend muss die Gewinnung der für den menschlichen Alltag und für die Hightech-Branche wichtigen Bodenschätze ausgebaut werden. Oft liegen die Rohstoffe dann allerdings in schwer zugänglichen Gebieten der Geosphäre, die nur unter höchsten Sicherheitsstandards sowie Umwelt- und Sozialvorschriften erschlossen und abgebaut werden dürfen. Das erfordert neue innovative Lösungen und modernste Techniken zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Visualisierung von Geodaten.

Nachhaltige Ressourcengewinnung mit Technologien „made in Freiberg“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Markscheidewesen und Geodäsie an der TU Bergakademie Freiberg entwickeln unter anderem multi-Sensor Konzepte zur Erfassung geometrischer Änderungen und bergbaubedingter Einflüsse auf die Atmo-, Bio- und Hydrosphäre sowie auf die Bodenqualität. Dafür nutzen sie sogenannte Multi- und Hyperspektralmesstechnik zur berührungslosen Charakterisierung von Rohstoffeigenschaften und testen Methoden der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens zur Auswertung großer und komplexer Datenbestände sowie für das (teil-) automatisierte Monitoring in schwer beziehungsweise nicht mehr zugänglichen Bereichen mit Hilfe von Robotern.

„Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit der Freiberger Präzessionsmechanik FPM Holding GmbH an einem intelligenten, automatisierten Mess-System, das mit Hilfe verschiedenster Sensoren kleinste Bewegungs-, Neigungs- oder Höhendifferenzunterschiede an Dämmen, Talsperren, Brücken oder Bauwerken erfasst und die Daten mittels einer intelligenten Software direkt auswertet“, erklärt Prof. Jörg Benndorf vom Institut für Markscheidewesen und Geodäsie. Die FPM Holding GmbH ist auch als Aussteller auf dem Geokinematischen Tag vertreten, wo sich weitere Unternehmen mit ihrem Portfolio aus den Bereichen der Geomatik, der Geodäsie, des Geomonitorings und der Geoinformatik präsentieren.

Markscheidewesen und Geomatik sind Zukunftsfächer

Nicht nur die Forschung und neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der Ressourcengewinnung stehen im Vordergrund des Geokinematischen Tages, sondern auch die Frage nach den Ansprüchen an zukünftige Geoingenieurinnen und Geoingenieure und dafür notwendigen Ausbildungskonzepten, wie beispielsweise dem Freiberger Diplomstudiengang „Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie“ oder dem Masterstudiengang “Geomatics for Mineral Resource Management“. Prof. Jörg Benndorf und sein Team lehren verschiedene markscheiderische Fähigkeiten, wie die Erfassung und Auswertung notwendiger Geo-Daten, animierte 3D-Visualisierungen von Lagerstätten sowie das sensorische, robotergestützte Monitoring untertägiger Infrastrukturen und Bodenbewegungen. Das erlernte Wissen können die Studierenden dann unter anderem in Forschungsprojekten im universitätseigenen Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ sowie bei lokalen Industriepartnern anwenden.

10. Mai 2022 – Unbekannt

Annaberger Klimatage: Experten diskutieren über globale Herausforderungen des Klimawandel

Wie ist der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand zum Klimawandel und welche konkreten Folgen sind in den sächsischen Mittelgebirgen und Wäldern zu beobachten? Dazu tauschen sich Klimaforscherinnen und -forscher in Annaberg (9.-10. Mai) unter Moderation von Geoökologe Prof. Jörg Matschullat aus.

Der menschgemachte Klimawandel ist eine globale Herausforderung. Temperaturen steigen, besonders auch im Winterhalbjahr, Grundwasserpegel sinken und die klimatische Wasserbilanz Sachsens wird zunehmend ungünstiger. Der Umgang mit den Folgen muss vor allem vor Ort angegangen werden. „Lokal und regional gilt es, sich auf Konsequenzen von Klimawandel einzustellen, um sowohl die Lebensqualität zu erhalten, als auch Land- und Forstwirtschaft sowie das Wassermanagement hin zu höherer Widerstandskraft umzubauen und das Risiko von Naturgefahren zu verringern. Dazu gibt es eine zunehmende Anzahl von Projekten und Ansätzen, die es weiter auszubauen gilt“, erklärt Prof. Jörg Matschullat von der TU Bergakademie Freiberg.

Dazu gehört auch die intelligentere Verknüpfung von Einzelmaßnahmen und -zuständigkeiten in verschiedenen Ministerien. „So zeigen die Annaberger Klimatage 2022 auch auf, wie sehr wir als Gesellschaft uns selbst im Weg stehen, zum Teil mit Regelwerken und Verordnungen, die meist in sich ihre Bedeutung und Berechtigung haben, doch zugleich notwendige Maßnahmen behindern oder gar verhindern“, ergänzt Prof. Matschullat.

Der Professor für Geoökologie erforscht mit seinem Team unter anderem Extremwetterereignisse und Methoden zur besseren Vorhersagbarkeit. Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich, dass auch in Sachsen Wetterextreme zunehmen. „Trockenzeiten und Hitzewellen werden länger und intensiver. Damit erhöht sich das Waldbrandrisiko und es kommt nachweislich zu verheerenden Bränden, zuletzt wieder in Australien, im Mittelmeerraum und den USA. Dadurch werden Aerosole (Feinstaub) freigesetzt, die bis in die höhere Stratosphäre, also auf Höhen oberhalb von 10 bis 15 Kilometern aufsteigen können, wo sie eine vielmonatige bis mehrjährige Verweilzeit haben. In Folge dessen verändert sich die Wolkenbildung in der unteren Atmosphäre (Troposphäre) mit teilweise erheblichen Folgen für die weltweite Niederschlagsbildung und -verteilung. Absehbar verstärkt dies die bereits beobachtete Tendenz zu langanhaltenden Trockenzeiten mit einem zugleich erhöhten Risiko kurzer Extremniederschläge“, so der Freiberger Klimaexperte.

Seine Erkenntnisse teilt der Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg am Vorabend der Tagung auch mit Schülerinnen und Schülern sowie Bürgerinnen und Bürgern beim einem gemeinsamen Film- und Diskussionsabend mit Europe Direct Erzgebirge im Rahmen der Schulprojektwoche PERSPEKTIVE NACHHALTIGKEIT in der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge. Dabei berichteten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtwerke Annaberg-Buchholz GmbH, des ansässigen Gymnasiums und von Europe Direct Erzgebirge über die Herausforderungen einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung mit Blick auf Verbrauchseinsparungen, über Bemühungen der Schule hin zu klimaneutralen Gebäuden und Infrastrukturen sowie Möglichkeiten zur Unterstützung der  Nachhaltigkeitsbewegung junger Menschen.

Hintergrund Annaberger Klimatage:

Seit 2001 treffen sich namhafte Klimawissenschaftler:innen und Vertreter:innen von Fachbehörden, Verbänden, Kammern und Bildungseinrichtungen zu den Annaberger Klimatagen. Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahre zu einer der bundesweit führenden Fachtagungen zum regionalen Klimawandel entwickelt.

Die TU Bergakademie Freiberg ist Mitorganisator und veranstaltet die Tagung gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, der TU Dresden, dem Deutschen Wetterdienst, der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft sowie der Stadt Annaberg-Buchholz und dem Erzgebirgskreis.

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