13. Juni 2022 – Unbekannt

E-Learning-Initiative sichert Lehre an ukrainischen Hochschulen

Studierende an ukrainischen Unis bekommen kurzfristig die Möglichkeit, Online-Kurse an der TU Freiberg zu belegen. Dank einer Förderung der Stiftung Innovation in der Hochschullehre möchte die Universität aber auch mittelfristig gemeinsame Online-Lehrangebote mit ukrainischen Hochschulen etablieren.

„Hochschulen in der Ukraine müssen aufgrund des Krieges und der Flucht von Universitätspersonal und Studierenden neue Formen für Lehr- und Lernangebote, aber auch für Verwaltungsprozesse finden“, erklärt Prof. Urs Peuker, Prorektor für Strukturentwicklung an der TU Bergakademie Freiberg. Sein Team erarbeitet deshalb Maßnahmen, die ukrainische Hochschulen bei der Aufrechterhaltung der Lehre unterstützen und Studierenden die Fortsetzung ihres Studiums ermöglichen. „Wir sind sehr froh darüber, mit der Förderung der Stiftung Innovation in der Hochschullehre eine Möglichkeit gefunden zu haben, unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen.“

Ukrainische Studierende erhalten künftig Zugang zu Online-Lehrinhalten der TU Bergakademie Freiberg und mittelfristig auch zum E-Learning Angebot von Partnern der Universität. Damit die Angebote möglichst passgenau sind, ermittelt ein Team aus voraussichtlich fünf Mitarbeitenden in den kommenden Wochen und Monaten die konkreten Bedarfe ukrainischer Hochschulen zur Aufrechterhaltung der Lehre.

Kooperationen in der Lehre langfristig stärken

„Auf inhaltlicher, methodischer und administrativer Ebene werden wir uns hochschul- und länderübergreifend austauschen, um die souveräne Selbstverwaltung der ukrainischen Hochschullehre zu unterstützen und auf die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten“, sagt Prof. Urs Peuker. Das Projekt soll zudem einen Beitrag leisten, Hochschullehre international zu denken und weiter zu vernetzen. Neu entstehende Kooperationen und gemeinsame Lehrvorhaben in innovativen digitalen oder hybriden Formaten sollen an der TU Bergakademie Freiberg auch langfristig gesichert werden. „Als zentrale Plattform dient uns dafür unsere Virtuelle Fakultät“, in welcher wir explizit Online-Angebote in Ergänzung zu unserem regulären Lehrangebot bündeln“, so der Prorektor für Strukturentwicklung.

Hintergrund: Förderung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre

Das Projekt SUUUpoRT (Strukturelle Unterstützung Ukrainischer Universitäten bei Aufrechterhaltung und Wideraufbau der Hochschullehre im Bereich Ressourcen und Technik) startete am 1. Juni und läuft bis Ende 2023. Ziel der Sonderförderung „Lernen und Lehre sichern. Fokus Ukraine“ ist zum einen, hochschulische Lehr-, Lern- und Unterstützungsangebote für Studierende aus der Ukraine zu schaffen, die ihr Studium vorübergehend digital oder in Präsenz an einer Hochschule in Deutschland fortsetzen möchten. Zum anderen können ukrainische Forschende und Hochschulangehörige in die zu fördernden Projekte eingebunden werden. Auch Vernetzungsaktivitäten werden gefördert.

09. Juni 2022 – Unbekannt

Mit Innovationen die Energie- und Rohstoffwende gestalten: BHT präsentiert aktuelle Forschung

Neuartige Materialien für Photovoltaik, Recyclingtechnologien für kritische Rohstoffe, schonender Bergbau mit Robotern, alternative Kraftstoffe oder der Einsatz von Formgedächtnislegierungen im Bauwesen.

In 16 Kolloquien stellen Forschende der TU Bergakademie Freiberg sowie nationale und internationale Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beim Freiberger Universitätsforum, dem 73. BHT, neue Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung vor.

In seinem Eröffnungsvortrag verdeutlichte Prof. Pierre Ibisch von der Deutschen Umweltstiftung für rund 350 angemeldete Teilnehmende die Dringlichkeit neuer Ansätze für eine nachhaltige und gerechte Energie- und Rohstoffsicherung: „Aus dem Auftrag, so zu leben, dass der Zustand des globalen Ökosystems sich nicht verschlechtere und möglichst allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht werde, ergeben sich konkrete Konsequenzen für unsere Gesellschaft, für Politik und Kultur, für Wirtschaft und die Frage des Eigentums ebenso wie für Bildung oder Technologie“, so der Professor für Nature Conservation an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und Mitbegründer des Konzepts des Ökohumanismus.

„Die Beiträge des Universitätsforums zeigen, an welchen Technologien und Verfahren Forschende auf den Gebieten der Informationstechnologien, Bohrtechnik, Bergbau, Recyclingstrategien in der Mobilität, Glastechnologie oder Baustoffe derzeit arbeiten, um ressourceneffizientes und nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen und damit eine gesunde Umwelt als Lebensgrundlage auf der Erde zu erhalten“, ergänzt Prof. Dr. Jörg Matschullat, Prorektor für Forschung der TU Bergakademie Freiberg. Besonders in Sachsen hat sich die traditionsreiche Konferenz BHT – Freiberger Universitätsforum bis zu ihrer aktuell dreiundsiebzigsten Ausgabe einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Aber auch internationale Vortragende und Teilnehmende beteiligen sich zwischen dem 8. und 10. Juni an den Diskussionen, die im virtuellen Raum sowie vor Ort stattfanden.

In insgesamt neun Fachkolloquien und sechs Kurzkolloquien beschäftigen sich die Expertinnen und Experten mit folgenden Themen:

Silizium für Mikroelektronik und Photovoltaik Wie Roboter Bergbau sicherer und nachhaltiger machen können Anwendungen des Materials GlasNutzung und Schutz von Ressourcen Recyclingstrategien in der Mobilität Aktuelle Entwicklungen für eisenbasierte Formgedächtnislegierungen Digitalisierung in den Geowissenschaften Fachkolloquium junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler/ PhD conference Umweltwissenschaften: Unipartnerschaft zwischen Aktia und Freiberg Nachhaltigkeit durch Corporate Social Responsibility Reporting Katalytische Biogas-Methanisierung zur Bereitstellung von Biomethan als Kraftstoff Wege zur CO2-neutralen Mobilität durch synthetische Flüssigkraftstoffe Welche Struktur hat Zement? Auswirken des Abbaus von Rohstoffen auf dem afrikanischen Kontinent Die Stunde der Ressourcenpolitik

Hintergrund: Freiberger Universitätsforum BHT

Das Freiberger Universitätsforum BHT geht auf eine Initiative von Studierenden zurück, die im Jahr 1949 eine fachübergreifende Informationsveranstaltung an ihrer Universität organisierten. Aus dieser Idee heraus entwickelte sich zunächst der „Berg- und Hüttenmännische Tag (BHT)“ zu einer jährlichen Forschungskonferenz, die Ergebnisse aus den Bereichen Geowissenschaften, Geotechnik, Bergbau und Metallurgie vorstellte. In den vergangenen Jahren zeigt das Freiberger Universitätsforum zusätzlich weitere Bereiche des Forschungsspektrums der TU Freiberg. Im 73. Jahr ihres Bestehens widmet sich die Konferenz 2022 dem Thema „Mit Innovationen die Energie- und Rohstoffwende gestalten“.

08. Juni 2022 – Unbekannt

Mit CO2-Sensor und Luftaustausch: Wie Chorproben während Pandemien sicher durchgeführt werden können

Um zu untersuchen, wie sich Aerosole als mögliche Träger von Viren während einer Chorprobe im Raum verteilen, führten Forschungsteams der TU Bergakademie Freiberg und der Universität Leipzig in den vergangenen Monaten Messungen bei Chorproben durch.

In der Fachpublikation „Journal of Voice“ berichten die Forschenden nun über ihre Ergebnisse. Demnach können Chorproben dank regelmäßigem Luftaustausch und speziellen Sensoren so durchgeführt werden, dass die CO2 Konzentration und damit auch die Aerosole in der Raumluft unter dem für eine Infektion kritischen Bereich bleiben.

Aerosole sind sehr kleine Tröpfchen, die längere Zeit in der Luft schweben und so auch Viren übertragen können. „Ausgeatmete Luft enthält neben den Aerosolen auch CO2. Aerosole reichern sich besonders in Bereichen mit hoher CO2-Konzentration an. Enthalten die Aerosole Viren, steigt in diesen Bereichen auch das Risiko für ihre Übertragung durch die Luft“, erklärt Prof. Rüdiger Schwarze von der Professur für Strömungsmechanik und Strömungsmaschinen der TU Bergakademie Freiberg.

Anhand der Messergebnisse hat das Team nun eine Art Formel für sichere Chorproben bereitgestellt: In einem 200 Kubikmeter großen Raum ist jede singende Person für den Anstieg der CO2-Konzentration um rund 1,8 ppm (1 ppm entspricht einem zehntausendstel Prozent) pro Minute verantwortlich. Somit lässt sich die Zeit ermitteln, die eine Chorgruppe ohne erhöhtes Ansteckungsrisiko proben kann. „Proben 15 Personen in einem Klassenzimmer, wird eine kritische CO2-Konzentration von 800 ppm nach 15 Minuten erreicht, 10 Personen können dagegen 22 Minuten ohne Lüften singen. Wird der Raum in diesen Zeitabständen regelmäßig für fünf Minuten stoßgelüftet oder eine raumlufttechnische Anlage verwendet, sinkt die CO2-Konzentration rasch ab und es kann sicher geprobt werden“, erläutert Dr. Lennart Heinrich Pieper vom Zentrum für Musikermedizin der Universität Leipzig. Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter des Zentrums, ergänzt: „Die CO2-Messung ist natürlich nur ein Baustein im Kontext aller Hygienemaßnahmen, um das Infektionsrisiko zu senken. Aber eben ein für Chöre sehr praktikabler – und das gilt für das Corona-Virus wie auch für andere Viren in möglichen zukünftigen Pandemie-Situationen.“

Weitere Empfehlungen für Chöre

Die Forschenden empfehlen außerdem, einen CO2-Sensor in Deckennähe eines ausreichend großen Probenraumes anzubringen: „Da die CO2-Konzentration im oberen Bereich eines Raums am höchsten ist, kann ein marktüblicher Sensor Chorgruppen frühzeitig warnen, sollte die CO2-Konzentration den Schwellenwert erreichen“, sagt Prof. Rüdiger Schwarze. Empfehlenswert ist auch, wenn Sängerinnen und Sänger die üblichen Aufwärmübungen ihrer Stimme, statt gemeinsam, alleine Zuhause oder im Auto durchführen. „Denn während der bewegungsintensiven Stimmübungen werden besonders viele Aerosole ausgeatmet, verwirbelt und die CO2-Konzentration steigt sehr schnell an“, erläutert Dr. Lennart Heinrich Pieper.

Aerosol-Ausbreitung messen

Um den CO2-Gehalt und damit die Aerosol-Ausbreitung während der Chorprobe zu erfassen, installierte das Team im Probenraum ein Sensorfeld mit zehn Messständern und je drei Messsonden, mit deren Hilfe sie die Luftqualität auf drei verschiedenen Ebenen – auf Hüfthöhe, Mundhöhe und über dem Kopf – kontinuierlich überprüften. Dafür wurde die Luft zwischen den einzelnen Messdurchläufen gespült; dabei wird der Wert der CO2-Konzentration wieder auf den gleichen Ausgangspunkt gebracht. Die Messwerte legte das Team anschließend nebeneinander und verglich sie. Um die Messungen nicht zu beeinflussen, hielten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über den gesamten Zeitraum außerhalb des Raumes auf und erhielten die Daten per Bluetooth in Echtzeit auf ihre Monitore. Alle beteiligten Sängerinnen und Sänger hatten ihr Einverständnis für die Durchführung der Messungen erteilt.

Zum Forschungsprojekt

Bereits seit Pandemiebeginn 2020 forschen die TU Bergakademie Freiberg und die Universitätsmedizin Leipzig zu Aerosolen und der damit verbundenen Virenausbreitung – insbesondere beim Singen in geschlossenen Räumen. Gemeinsam wurden dafür Messungen mit mehreren Chorgruppen in verschieden großen Räumen durchgeführt, wie beispielsweise beim Collegium Musicum der TU Bergakademie Freiberg, beim Universitätschor Leipzig und beim Thomanerchor Leipzig.

Originalpublikation: Katrin Bauer, Robert Hardege, Sebastian Neumann, Rüdiger Schwarze, Michael Fuchs, Lennart Heinrich Pieper: How safe is singing under pandemic conditions? – CO2-measurements as simple method for risk estimation during choir rehearsals. Journal of Voice.

Ansprechpersonen:

Strömungssimulation und reine Partikelausbreitung: Prof. Dr. Rüdiger Schwarze, Tel.: +49 (0) 3731 392486, E-Mail: Ruediger [dot] Schwarzeimfd [dot] tu-freiberg [dot] de  

Medizinische Fragen: Peggy Darius, Tel.: +49 (0) 341 9715 798, E-Mail: presse-mfmedizin [dot] uni-leipzig [dot] de