Zum bereits vierten Mal nahm die studentische Gruben- und Gasschutzwehr der TU Bergakademie Freiberg am International Collegiate Mine Emergency and Response Development Competition (MERD) an der Colorado School of Mines in den USA teil. Dabei konnte in der Rettungsübung untertage und auch insgesamt der dritte von neun Plätzen errungen werden, womit man als einziges deutsches sowie europäisches Team erneut ein gutes Ergebnis erzielen konnte. Zurückzuführen ist diese Leistung vor allem auch auf eine akribische und ehrgeizige Vorbereitung.
Vorbereitung und Herangehensweise
Erste Neuerung in diesem Jahr war bereits die Zusammenstellung des Teams. Erstmalig verteilten sich die Positionen im Trupp nicht mehr ausschließlich auf Studierende der Studienrichtung Bergbau, sondern auch auf die Vertiefungen Markscheidewesen und Geotechnik. Dies ist besonders erwähnenswert, da auch der Diplom-Studiengang „Geo-Ingenieurwesen“ in Zukunft die genannten Vertiefungen inklusive Tiefbohrtechnik bedienen und zumindest im Grundstudium gemeinsam ausbilden wird. Zudem setzen sich die Grubenwehren aktiver Bergwerke mitunter gleichermaßen zusammen. Captain des Teams war Vincent Klotzsche, Gas-Person Alexander Radünz, Map-Person Marlene Mühlbach, Medic Tobias Hörmann und Co-Captain Arno Forner. Darüber hinaus standen den Studierenden mit Prof. Mischo, Dipl.-Ing. Louis Schaarschmidt und Dipl.-Ing. Erik Farys gleich drei Trainer zur Verfügung, die bereits an vorangegangenen MERDs teilnehmen und wichtigen Input für die diesjährige Vorbereitung geben konnten. Schließlich führte man, im Hinblick auf den Wettkampf in den USA, auch mehrere Übungen mit aktiven Grubenwehren durch. Ein weiteres Novum war außerdem die Kommunikation im Trupp in Englisch zu halten und sich damit dem weiteren Teilnehmerfeld bestehend aus vier us-amerikanischen und vier kanadischen Teams sprachlich anzugleichen. Mit dieser Entscheidung wollte man den Juroren von Mine Safety and Health Administration (MSHA), National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH), hauptamtlichen Grubenwehren oder Rettungsdiensten einen noch tieferen Einblick in die internen Absprachen des Trupps während der jeweiligen Szenarien geben.

Bekannt aus den zielgerichteten Ausbildungseinheiten im Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ waren dagegen bereits die nordamerikanischen Regelwerke, welche sich bereits in der Trupp-Einteilung von den deutschen unterscheiden. Demnach übernimmt der Captain (Truppführer) die vorderste Position im Trupp, somit führt er diesen nicht nur operativ an. Er hält dabei die Verbindung zur Fresh-Air-Base (B-Stelle im Frischwetterbereich), und befiehlt natürlich auch alle Maßnahmen zur Abarbeitung des Einsatzauftrages. Gas- als auch Map-Person (Trupp-Mitglieder zur Gasmessung und mobilen Risswerkführung) unterstützen den Truppführer bei der Entscheidungsfindung durch Informationen zu Gaskonzentrationen in der Atmosphäre beziehungsweise zur Navigation durch den Grubenbau. Der Medic (Sanitäter) übernimmt die Erste Hilfe von Verletzten, indem er alle Rettungsmaßnahmen organisiert. An fünfter und letzter Stelle des Trupps befindet sich der Co-Captain (stellvertretender Truppführer), dieser übernimmt bei Ausfall des Captains die Führung.

Der Wettkampf MERD und sein Ablauf
Der dreitägige Wettkampf MERD fand vom Dienstag, den 18.02.2025, bis zum Freitag, den 21.02.2025, an der Colorado School of Mines statt und setzte sich aus mehreren Disziplinen zusammen. Die Bergbauuniversität mit Sitz in Golden betreibt außerdem die Edgar Experimental Mine inmitten der Rocky Mountains in Idaho Springs. Der Erste Tag des Wettkampfes war ganz dem Training gewidmet und hatte zum Ziel die Teams mit den Gegebenheiten vor Ort und dem zur Verfügung gestellten Equipment vertraut zu machen. Die neun teilnehmenden Teams wurden in Gruppen aufgeteilt und durchliefen mehrere Stationen. Auf dem übertägigen Vorplatz der Edgar Mine wurden verschiedene Techniken und Hilfsmittel zum Abseilen von Personen zuerst theoretisch vorgestellt und anschließend praktisch ausprobiert. Hierbei wurden Teammitglieder über die Böschung der Halde abgeseilt und über ein Flaschenzugsystem wieder nach oben gezogen. Ebenfalls auf dem Vorplatz wurde die Brandbekämpfung mittels Handfeuerlöscher trainiert und es galt in Trupps von zwei Wehrmännern ein dieselbetriebenes Trainingsfeuer zu bekämpfen. Im übertägigen Klassenraum der Edgar Mine erhielten alle Teilnehmer einen kurzen Überblick zum amerikanischen Kreislaufatemgerät „Biopak“ und dessen Funktion. Als letzter Teil des Trainings wurde im untertägigen Klassenraum das IWT-Funkkommunikationssystem erklärt und durch die Teams praktisch angewandt. Dieses mobile System bietet die Möglichkeit im untertägigen Einsatz ein Funknetz aufzubauen und mit voranschreitender Erkundung weiterzuentwickeln.

Nach dem Training stand am ersten Wettkampftag die erste Disziplin für den Trupp bevor. Das „Maze“ ist ein Labyrinth in einem Grubenbau der Edgar Mine. Auf zwei Ebenen werden sehr enge Gänge simuliert. Zwischen den vielen Sackgassen muss sich der Trupp einen Weg zur oberen Ebene und dann aus dem Labyrinth hinaus bahnen. Die Aufgabe des Trupps bestand darin, dass Labyrinth vollständig zu erkunden und Gegenstände, welche während dieser Erkundung gefunden werden, aufzunehmen und an die Fresh Air Base weiterzuleiten. Da der gesamte Grubenbau stark vernebelt wurde, musste der Trupp geschlossen und mit besonderer Gründlichkeit vorgehen. Erschwerend kam hinzu, dass nach der Hälfte der Strecke eine Bewusstlosigkeit des Captains simuliert wurde und dieser nun vom Trupp über mehrere Ebenen sicher weitertransportiert, werden musste. Dies konnte nur durch die routinierte Zusammenarbeit des Trupps geschafft werden. Nachdem die erste Disziplin erfolgreich absolviert wurde, standen am selben Tag noch die schriftlichen Tests an. Jedes Teammitglied musste einen kurzen Test zu Themen der Ersten Hilfe ablegen. Darüber hinaus hatten die zwei ausgebildeten Gerätewarte einen Test zu den Kreislaufatemgeräten. Am zweiten Wettkampftag fuhr der Trupp nicht zur Edgar Experimental Mine, sondern machte sich auf den Weg zum Campus der Colorado School of Mines in Golden. Im EMI Drilling Laboratory fand das Medical Problem statt. Dabei geht es darum, als Team ein Massenverletztenszenario zu absolvieren. In diesem Szenario wurde ein Fahrzeug untertägig in einen Unfall verwickelt, wobei die sechs Insassen aus dem Fahrzeug geschleudert wurden. Die Aufgabe des Trupps bestand darin, die Verletzten zu behandeln und für den Transport zum Krankenhaus vorzubereiten. Nach Zusammenstellen des benötigten medizinischen Equipments und einem kurzen Briefing des Teams rückte der Trupp vor. Zunächst wurden durch den Lead Medic alle sechs Verletzten entsprechend der Schwere ihrer Verletzung und der daraus resultierenden Dringlichkeit ihrer Behandlung triagiert. Die simulierten Verletzungen reichten von stressinduzierter Hysterie und Schürfwunden über offene Brüche an Armen und Beinen sowie Verbrennungen am ganzen Körper bis hin zu Wirbelsäulen- und tödlichen Verletzungen. Die einzelnen Trupp-Mitglieder übernahmen nun die weitere Behandlung der einzelnen Verletzten und versorgten diese, bis sie transportbereit waren. Nach der Übergabe aller Verletzten an die Jury war das Szenario beendet und es folgte die Auswertung. Neben dem Medical Problem stand für zwei Mitglieder des Trupps das Tech Problem an. Hierbei musste zum einen das Kreislaufatemgerät Dräger BG4 auf Fehler geprüft und einsatzfertig zusammengebaut werden und zum anderen Gas- und Wettermessungen durchgeführt werden und das Gasmessgerät auf Fehler überprüft werden. Beide Teammitglieder wurden zuvor im Dräger Schulungszentrum in Lübeck für das BG4 geschult und damit fachlich sehr gut vorbereitet. Für ein deutsches Team war es jedoch ungewohnt, dass diese Disziplin nicht in erster Linie auf Qualität, sondern insbesondere auch auf Zeit zu absolvieren war.
Am dritten und letzten Wettkampftag war der Trupp, aber auch die Fresh-Air Base, unter Tage gefordert. Unter scharfem Gerät musste in einer zweistündigen Übung ein simuliertes Einsatzszenario bewältigt werden. Der Einsatzauftrag beinhaltete die Rettung dreier vermisster Personen im nordwestlichen Teil der Grube infolge einer nicht näher klassifizierten Explosion. Nach kurzer Lagebesprechung wurde die umfangreiche Erkundung in nordwestliche Richtung begonnen. Aufgrund des entstandenen Rauches und nicht atembarer Atmosphäre wurde zwischenzeitlich die Sicherung der Truppmänner an einer Leine notwendig. Im Laufe der Erkundung konnte in einem Überhauen eine im Sicherungsgeschirr hängende bewusstlose Person gefunden werden. Sofort wurde eine Seilrettung eingeleitet, die verunfallte Person bis zur nächsten Ebene abgeseilt und medizinisch erstversorgt. Nachdem der Zustand der Person stabilisiert wurde und diese transportfertig auf dem Schleifkorb gesichert war konnte der Rückweg zur Fresh-Air Base angetreten werden. Hierbei musste der Schleifkorb ein weiteres Mal durch eine Rolle abgeseilt werden. Ganze 15 Sekunden vor Einsatzende wurde die Fresh-Air Base erreicht und die verletzte Person konnte erfolgreich übergeben werden. Das Team der TU Bergakademie Freiberg ging im gesamten Wettkampfgeschehen, insofern möglich, gemäß den deutschen Vorschriften und Leitlinien vor und wich dabei stellenweise von den US-amerikanischen Standards ab. Das Vorgehen und Knowhow des Freiberger Teams überzeugte die Jury dennoch in allen Bereichen, insbesondere beim Umgang mit verunfallten und dem bedachten Vorgehen im Trupp. Trotz der Unterschiede der US-amerikanischen und deutschen Systeme, konnte der dritte Platz im untertägigen Szenario und der dritte Platz in der Gesamtwertung belegt werden, was auf monatelanger universitärer Ausbildung und akribischem Selbststudium beruht. Zwar ist eine studentische Gruben- und Gasschutzwehr allein schon aus rechtlichen und versicherungstechnischen Gründen kein im Ernstfall einsatzfähiges Rettungsinstrument, doch werden die zukünftigen Absolventen für das Berufsleben und ihre Verantwortung als Leitungspersonen sensibilisiert.

Universitäre Lehre und Vertiefung in Arbeitsgemeinschaft
Die Professur für Rohstoffabbau und Spezialverfahren unter Tage bietet Studierenden mit Interesse an der Gefahrenabwehr in Grubenbetrieben drei besondere Lehrveranstaltungen an, die spannende und relevante Einblicke in das Grubenrettungswesen gewähren. Im Grundlagenmodul „Sicherheit und Rettungswerke in der Rohstoffindustrie“ erlernen die Teilnehmer zunächst theoretisches Wissen über rechtliche Grundlagen, effektives Risiko- und Krisenmanagement im Bergbau sowie Aufbau und Arbeitsweise von Rettungswerken und Gruben- bzw. Gasschutzwehren. Nach Abschluss dieses Moduls und nach Bestehen der Tauglichkeitsuntersuchung für Atemschutzgeräte der Klasse 3 (G 26.3) können die Studierenden am darauf aufbauenden Modul „Studentische Gruben- und Gasschutzwehr“ teilnehmen. Die dazugehörigen Unterrichtseinheiten teilen sich in theoretische Abschnitte sowie praktische Übungen auf dem Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ auf.

Das Modul endet mit einer untertägigen Gewöhnungsübung unter Atemschutzgerät, bei der die Teilnehmer als Grubenwehrtrupp agieren. Zusätzlich wird jährlich eine Großübung durchgeführt, in deren Rahmen die Studenten bei einem simuliertem Schadensereignis über Tage die Funktionen eines Krisenstabes besetzen und auch die Technische Einsatzleitung übernehmen. Das zusätzliche Modul „Taktische Grubenwehrmedizin“ vermittelt theoretisches Wissen zur medizinisch-taktischen Rettung in untertägigen Einsatzsituationen. Veranlassung für dieses Modul sind die erheblichen Versorgungslücken, die sich bei der Rettung von Menschen unter Tage im Vergleich zu über Tage ergeben. Es wurde deshalb ein spezieller Behandlungsalgorithmus für Grubenwehren entwickelt, der unter den erschwerten Bedingungen und langen Rettungswegen Anwendung findet. Die theoretischen Grundlagen dieses Konzepts sind Bestandteil der Lehrveranstaltung.
Über den universitären Rahmen hinaus treffen sich Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen und Semester in der AG Grubenwehr, einer Arbeitsgemeinschaft des Studentenrates, um ihr Wissen weiter zu vertiefen. Die Treffen finden alle zwei Wochen am Donnerstagabend statt. In diesen Sitzungen bilden sich die rund 25 Mitglieder durch Vorträge, Trockenübungen über Tage und gegenseitigen Erfahrungsaustausch weiter. Regelmäßig werden grundlegende Erste-Hilfe-Techniken im Rahmen sogenannter Safety Moments eingeübt und durch größere Erste-Hilfe-Übungen ergänzt. Ebenso werden Kenntnisse in Brandbekämpfung, Funktechnik sowie Knotenkunde und Seiltechnik vermittelt, wobei Studierende mit zusätzlicher Ausbildung etwa bei Feuerwehr oder THW ihr Wissen weitergeben. Außerdem werden Exkursionen zu aktiven Gewinnungsbetrieben, Besucherbergwerken und Grubenrettungsstellen organisiert. Trotz begrenzter finanzieller Mittel und eingeschränkter Trainingsausrüstung der AG Grubenwehr ermöglichen Unterstützung durch Industriepartner, die Wirtschaft sowie die Professur für Rohstoffabbau und Spezialverfahren unter Tage regelmäßige untertägige Trainingsübungen. So können sich die Studierenden gezielt auf den alle zwei Jahre stattfindenden MERD-Wettkampf in den USA vorbereiten. Alle Studierenden, die dieses Jahr am Wettbewerb teilnahmen, sind Mitglieder der AG Grubenwehr.

Ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung zum MERD-Wettkampf im Jahr 2025 gilt der Glückauf Clara Stiftung, der REDPATH DEILMANN GmbH, der Drägerwerk AG & Co. KGaA, der K+S Aktiengesellschaft, der Ercosplan Unternehmensgruppe, dem Verband Bergbau, Geologie und Umwelt e. V., der TS BAU GMBH, der Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH, der SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH, der MSW-Chemie GmbH, der GEOMIN – Erzgebirgische Kalkwerke GmbH, der Knauf Gips KG, Markus Fischer sowie der TU Bergakademie Freiberg und dem Verein der Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg e. V.